Manchmal ist es komisch, wo manche Bands bekannt sind – oder besser: Wo manche Bands (noch) nicht bekannt sind. Minze beispielsweise, eine 2004 in Wien gegründete Band, konnte sich in kürzester Zeit in die Herzen der Wiener Indie-Gemeinde spielen – und landete auch bei großen Musiker-Kollegen Achtungserfolge, wie Support-Auftritte bei Nena und Herbert Grönemeyer eindrucksvoll belegen können. Der Erfolg – und überhaupt die Kenntnisnahme – über die österreichische Grenze hinüber in hiesige Gefilde blieb dabei bisher aus. Eigentlich seltsam, denn Minze haben absolut das Potenzial, auch hier die Indie-Herzen zu erobern, wie sie nun auch auf ihrem neuen Album So viel Zukunft keine Zeit unter Beweis stellen.

Das gemischte Wiener Quintett spielt auf ihrem Album druckvollen Indie-Rock mit einem leichten Retro-Einschlag. Was dabei auffällt, ist eine dezente Verspieltheit, die sich aber in einem Rahmen hält, der nicht auf Unerfahrenheit schließen ließe, sondern auf eine angenehme Unbedarftheit. Ein Song wie Kein Geld zeigt das gut. Ein hohes Tempo trifft hier auf Gitarrenriffs, Drive vom Bass und peitschendes Schlagzeug, Sängerin Lioba Rencher singt auf melodische Weise gegen den Strich gebürstet und immer wieder begegnen kleinere verspielte Einschübe. Es ist diese Art von Musik, bei der man ein Wort wie „frech“ tatsächlich so verwenden kann, dass es positiv gemeint ist, ohne dass an dabei unangenehme Erinnerungen an Friseurbesuche bekommen muss.

Minze behandeln dabei das Leben an sich, singen über das, was den Menschen bewegt und vermischen dies stets mit einem Augenzwinkern. In der Dynamik wird hier gerne mal variiert. Realität beispielsweise ist eigentlich eher ein Song im mittleren Tempo, hat aber derartig wuchtige Gitarren, dass es problemlos als Rock-Song durchgeht. Eingeflochten wird hier auch ein Gitarren-Solo – etwas, das im Genre eigentlich viel zu selten begegnet. Mit Krieg und Frieden begegnet zwischendurch dann auch mal eine Ballade, ansonsten steht hier aber der Rock im Vordergrund. Und zwar in einer Spielart, mit der man auch hierzulande Erfolg haben könnte – es müssen nur die richtigen Leute darauf aufmerksam werden.

So viel Zukunft keine Zeit präsentiert also eine starke Wiener Indie-Rock-Band, die ohne Peinlichkeiten durchweg auf Deutsch singt und dabei Schönheit mit einem rauen Touch kombiniert. Das kann sich hören lassen!

Homepage: www.minzeband.com
MySpace: www.myspace.com/minzeband

Text: Marius Meyer