Wenn ein Magazin den Namen alternativmusik.de trägt, erwartet man auch, dass dieses über alternative Musik im weitesten Sinne berichtet. Der Begriff alternative Musik wurde hier ja auch schon einige Male sehr weit ausgelegt und auf die verschiedensten Bands und Genres ausgedehnt, aber ob nun eine Band wie Modern Talking noch ernsthaft in irgendeiner Form als alternativ bezeichnet werden kann, darf auch gerne angezweifelt werden. Wie man dies auch sehen mag, ist nun weitere Best Of der Band anlässlich des 25-Jährigen Jubiläums erschienen, zu welcher die Bild-Leser abstimmen durften, welche Lieder des Duos auf diese kommen durften.

Wer diese Einleitung schon gelesen hat, wird schon wissen, dass es schwer ist, an eine solche Veröffentlichung objektiv und mit der nötigen Ernsthaftigkeit heranzugehen. Ob dies nun daran liegt, dass einen die Band, allen voran Dieter Bohlen, noch heute immer wieder unangenehm auffällt oder ob es absurd klingt, bei einer Band von einem Jubiläum zu reden, die sich vor acht Jahren aufgelöst hat, lassen wir mal außen vor. Letztendlich geht es aber um die Musik auf den beiden CDs.

Diese ist chronologisch aufgeteilt: Während sich auf CD1 Lieder auf den Achtzigern und frühen Neunzigern befinden, sind jene auf der zweiten CD auf Mitte bis Ende der Neunziger bis nach der Jahrtausendwende inklusive neuerer Versionen alter Lieder, wie You’re my heart, you’re my soul und Brother Louie. Diese sind natürlich auch im Original auf CD1 vorhanden, wobei gerade die erste CD erstaunt, da sich auf dieser einige durchaus taugliche Wave-SynthiePop-Songs befinden. Und wären diese nicht von Modern Talking, würden diese wahrscheinlich heute noch auf 80er-Partys Anklang finden. Auf der zweiten CD finden sich dagegen die neueren Lieder, die für die Zeit typisch eher Richtung 90er-Pop gehen, dabei aber wie für die Band typisch sehr eingängig sind, sich nur leider auch häufig in Belanglosigkeit verlieren.

Zusätzlich gibt es auf jeder CD noch teilweise unveröffentlichte Remixe einiger Songs, die mal mehr, mal weniger gelungen sind. Ein Ausrutscher wäre unter anderem „Paul Masterson’s extended Remix“ von You’re my heart, you’re my soul, während der Keep Love alive Remix durchaus gefällt. Für den über zwanzig Minuten langen Brother Louie Space Mix braucht allerdings etwas Durchhaltevermögen.

Was am meisten bei dieser Veröffentlichung auffällt, dass einen die Band im Grunde immer eher genervt hat, als das man sie objektiv wirklich schlecht fand. Acht Jahre nach dem letzten Lebenszeichen der Band und nach erneutem Hören alter Hits der Band wissen einige der Lieder durchaus zu gefallen. Ob man sich die letztendlich aus dokumentarischen Gründen, aus Liebe zum Katastrophen-Tourismus oder weil einem die Musik wirklich gefällt besorgt, sei jedem selbst überlassen. Letztendlich ist diese Best Of eine gelungene Veröffentlichung.

Text: Tristan Osterfeld