Als offener Mensch sollte man sich niemals von einem nicht gerade ansprechenden Album-Cover abschrecken lassen – man könnte es bereuen! So auch bei Moon far Away aus Russland. In Deutschland ist die Band wohl bislang eher unbekannt, haben die Russen sich in ihrer Heimat zu einer sehr einflussreichen Gruppe für die dortige Musikszene entwickelt: Und hört man Minnesang weiß man auch warum, bezaubert die Band den Hörer mit einer einzigartigen Mischung aus rituellen Passagen, Neoklassik, Folk sowie Heavenly Voices-Anleihen. Aber nicht nur das: Post-Punk und Future Pop-Elemente lassen sich auf dem Album genau so ausmachen.

Thematisch geht es auf dem Album um weibliche Archetypen in traditionellen Kulturen. Um dies rauszufinden, muss man aber der russischen Sprache mächtig sein. Aber selbst wenn man das nicht ist, schafft es die Musik auch genug, für sich zu sprechen: Plötzlich auftauchenden E-Gitarren oder Synthies, die sich aber alle auf unglaubliche Weise in das Folk-Gewand der Band einfügen. Bei jedem Lied bekommt man Lust darauf, mehr zu hören, wobei man, wenn die CD durchgelaufen ist, eigentlich nicht so genau weiß, was man jetzt alles gehört, aber nur das Gefühl hat, dass es alles richtig gut gewesen ist. Und dass man sich an nichts Konkretes erinnern mag, liegt nicht daran, dass die CD keine Ohrwurm-Qualitäten hat, sondern schlichtweg daran, dass man sich ständig mit neuen und jedes Mal originellen Ideen der Band konfrontiert fühlt, bei denen man nur anerkennend nicken kann und man fast von einer russischen Version von Dead Can Dance sprechen möchte.

Wenn man dann noch der Meinung ist, dass sich ein wirklich gutes Album dadurch auszeichnet, dass Leute, die das Genre, welchem es zuzuordnen ist, sonst nicht hören, aber ihnen das dennoch gefällt, dann kann ist dies bei Minnesang eindeutig der Fall. Was also soll noch mehr gesagt werden, als dass Moon far Away ein Album rausgebracht haben, dass Genre-Grenzen nicht nur überschreitet, sondern auch wohlwollend in Kreisen aufgenommen werden könnte, die mit Folk sonst nichts anfangen können. Dass dies auch passiert, ist der Band somit auch nur noch zu wünschen.

Homepage: www.moonfaraway.ru
MySpace: www.myspace.com/mfaofficial

Text: Tristan Osterfeld