Warum eigentlich immer Folk? Wie kommt es, dass meistens „Soloprojekt“ gleich Folkalbum bedeutet. Selbst Haudegen wie Chuck Reagan packen auf Solopfade die alte Klampfe aus. So auch Morten Harket, besser bekannt als ehemaliger a-ha-Frontmann, singt auch auf seinem viertem Soloalbum angefolkte Balladen, denen man die a-ha-Einflüsse spätestens bei Harkets oft eingesetztem Falsett anmerkt. Eigentlich sollte Letter From Egypt schon um einiges früher erscheinen, nur kam da eben die a-ha-Reunion Anfang des Jahrtausends dazwischen. Macht aber nichts, denn das Prinzip bleibt weitgehend ähnlich: opulente Instrumentierung, inzwischen erwachsenere, eher spärlich eingesetzte Synthie-Flächen und die Piano-Keule im Refrain.

Zumindest der Albumtitel verspricht kosmopolitisches Flair. Harket überrascht hier jedoch auf etwas andere Weise. Titeltrack Letter From Egypt ist nicht angefüllt mit beißender Kritik oder Zukunftsangst:„It’s alright baby / It’s ok“, sing Harket immer wieder, während aus dem Off fast beschwörend „Everybody’s gonna be alright / Everybody’s gonna be ok“ tönt. Und fast schon mag man es ihm glauben. Oder anknurren, vor so viel Seelenberuhigungssongs.

Harket bleibt sich treu. Er schreibt Lieder über Liebe, musiziert haarscharf am Kitsch vorbei –aber war das denn bei a-ha anders? Er besingt mondgesichtige Frauen „In the dark space / When I close my eyes / I see your face shining / Like the moon in the night“ und kann sich dann doch nicht entscheiden „You’re with me, you’re with me“ tönt es in Darkspace voller Glück, doch dann, o weh: „Babe it was for real / It wasn’t real / It wasn’t real“. Nur bei aller kritischer Distanz zu 80s-lastigen Liebesballaden über traurige Gestalten und einsame Autofahrten: es wirkt. Ist beizeiten schön und ja auch bewegend. Und manchmal einfach nur schmalzig wie eh und je.

Homepage: www.mortenharket.com
MySpace: www.myspace.com/harketmorten

Text: Dennis Kogel