Mit gerade mal 14 Jahren sah ich einst im vergangenen Jahrtausend auf meinem ersten Festival mal Motorpsycho. Obgleich es für die jungen Ohren etwas überfordernd war, hat sich damals eine gewisse Faszination festgesetzt – war es doch ungewöhnlich, bloß zwei Songs zu sehen, obwohl man eine halbe Stunde dort stand. Ein gebannt-verstörtes Zusehen war es damals, was aber dazu führte, diese Band mal mehr mal weniger aufmerksam weiter zu verfolgen. Daran, dass diese Band ihren Weg gefunden hat, kann nach 20 Jahren wohl beim 15. Studioalbum keiner mehr anzweifeln. Und auch hier sind mal wieder ausufernde Arrangements zu betrachten, in denen sechs Songs über eine Stunde Spielzeit ausmachen und die Schublade „Indie“ abermals völlig sprengen.

Woher die einstige Faszination kam, können Motorpsycho dann auch gleich im ersten Song auf Heavy Metal Fruit wieder zeigen. Mit knapp 13 Minuten geht man auch hier wieder sehr in die Länge, ohne dass das Arrangement langweilig werden würde. Dafür zeigt Starhammer auch gleich, wo das „Heavy Metal“ im Albumtitel herkommt. Zwar sind Motorpsycho weit von Heavy Metal im eigentlichen Sinne entfernt, dennoch haben die Gitarrenriffs etwas sehr Metal-Lastiges in sich. Motorpsycho hauen gerne mal in die Saiten, lassen das Gespür für Melodien dabei aber nicht aus dem Auge. Das ist die eine Seite – auf der anderen dürfen die Melodien auch mal völlig verloren gehen. Man muss nur einen Song vom Kaliber The Bomb-Proof Roll And Beyond (For Arnie Hassle) hören: Im Mittelteil beginnt bald die pure Konfusion.

Close Your Eyes schleicht sich dann noch als kurze Piano-Ballade mitten ins Album und zeigt, wie viel Gefühl die Band aufbringen kann, wenn sie es nur will. Das auch nur, um im Folgetitel W. B. A. T. einen 70er Hard Rock-Spirit reinzubringen, der im Gesamteindruck des Albums auch schon mal in den psychedelischen Bereich abdriftet. Ein weiterer Einfluss also. Und dass sie auch noch den Geist von The MotorSourceMassacre atmen, zeigen sie beispielsweise in X-3(Knuckelheads In Space) /The Getaway Special, das mit Jazz-Instrumenten und freien Improvisationen aufwartet. All das wird sehr packend dargeboten und kann abermals begeistern.

Was einst verstörte, ist mit den Jahren längst der Faszination gewichen. Woher diese Faszination herkommt, kann Heavy Metal Fruit wieder eindrucksvoll beweisen. Ein sehr sperriges und kantiges Werk, das vieles von dem vereint, was Motorpsycho schon immer ausgemacht hat und dieses hier frisch auftischt. Eine gewisse Schnoddrigkeit ist dem Werk nicht abzusprechen und man muss konstatieren, dass diese der Band wirklich gut steht. Songs wie The Other Fool sind zwar auch schön, aber Heavy Metal Fruit sind Motorpsycho in Reinform. Wenn das Jahr so weitergeht, wie Motorpsycho es miteröffnen, kann 2010 nur ein gutes Jahr werden, in musikalischer Hinsicht.

Homepage: motorpsycho.fix.no
MySpace: www.myspace.com/motorpsychopage

Text: Marius Meyer