Motovun sind für diese Internetseite so etwas wie der lebende Beweis für die Vorteile der Zeiten des besagten Web 2.0: So kam es, dass vor einigen Monaten eine Band namens Motovun eine Freundesanfrage via MySpace schickte und dazu feststellte, wir hätten ja einiges an gemeinsamen musikalischen Interessen. Durch diese gemeinsamen Interessen interessiert sich man sich als Schreiber folglich auch für die Musik derer, mit denen man diese Gemeinsamkeiten teilt. Und bemerkt: Es gefällt. Schöne Musik, die ohne MySpace unter Umständen verwehrt geblieben wäre. Auf diese Weise haben Motovun die schöne Möglichkeit, mit ihrer gitarrenbasierten, deutschsprachig gehaltenen Musik im Bereich von ruhigerem Indie und Folk ein größeres Publikum zu erreichen, für das sich die Beschäftigung mit ihnen lohnen sollte. Fragt sich: Warum eigentlich?

Motovun vermögen es, auf eine erfrischende und oft auch ironische Weise ruhigere Indie-Musik zu erschaffen, wobei sich diese Ironie vor allem in der Nähe und der Anlehnung an so einige Country-Attitüden zeigt. Nun ist es aber nicht so, dass in dieser Ironie ein Programm stecken würde – nein, der Tiefgang fehlt nicht und weiß sich durch die zugrunde liegende Lockerheit sogar besser zu entfalten. Die Wertschätzung gegenüber Künstlern wie Nils Koppruch (und natürlich auch Fink), Tom Waits, dEUS und Calexico tut da das seinige. Der gemeinsame Nennen dieser Gruppen liegt dabei – trotz der Tatsache, dass es durchaus nennbare Einflüsse sind – natürlich nicht in einem gleichen oder gar imitierten Klang, sondern vielmehr in dem, was die Seele dieser Musik ausmacht: Dem Gefühl.

Das Gefühl steht im Vordergrund: Greift man sich einen Titel wie Sieben Tage heraus, so wird es offenbar. Ein ruhiges, aber doch treibendes Stück Musik, getragen nicht nur von Gitarren, sondern auch von einem durch Instrumenten wie dem Banjo getragenen Country-Flair, der eine Grundlage für die Nachdenklichkeit dieses Titels bildet. Gleichermaßen schimmert aber auch immer die Hoffnung durch das Sehnen. „Ja, ich schaff es endlich aufzustehen // und ich schaff es sogar, loszugehen“ singt die Gruppe. Und das trotz allem Grübeln über zerbrochene Beziehungen, die sich oft in sehr minimalistisch instrumentiert gehaltenen Stücken wie Ihr Duft und Was mir fehlt zeigt.

Aber sie sind eben auch gerne mal locker und zeigen eine erfrischende Haltung. Paradebeispiel ist Applaus. Die gezupften Gitarren zeigen zwar auch hier instrumental den Weg, den auch die anderen Stücke ebnen, aber bereits eingangs zeigt sich: Dieses Stück hat Groove und es hat gute Laune. Getragen und doch treibend geht es nach vorne und macht dem Hörer durchaus Spaß mit seiner Eingängigkeit. Stilecht gibt es am Ende dann folglich gesampleten Applaus, der wieder die ironische Seite von Motovun zeigt. Wer als Einflüsse „Esel. Berge. Wiesen. Heu. Lagerfeuer. Zentralheizung.“ angibt, beweist schließlich eine lockere Herangehensweise. In diesen Kontext passt auch, dass ausgerechnet das abschließende Stück Mörderballade alles andere als balladesk begegnet, sondern zu den fröhlichsten Stellen dieser Veröffentlichung gehört.

Wenn die Gruppe ihre Musik als Country-Beat-Songwriter-Indie-Folk bezeichnet, dann hat sie damit in jedem einzelnen Punkt recht. Und das alles verwoben in ein Sinn ergebendes Ganzes. Es ist sehr erfreulich, dass Popappeal sich der Veröffentlichung dieser CD angenommen hat. Ist sie doch mal wieder ein Beweis dafür, dass viel zu oft die falschen Künstler in diesem Musikbereich die große Aufmerksamkeit bekommen. Motovun beweisen, dass Innovation im deutschsprachigen Indie-Bereich durchaus möglich ist. Bei einem Album wie diesem lässt sich ein Loblied schlichtweg nicht vermeiden. Daher an dieser Stelle die dringliche Empfehlung, sich zum Erwerb dieses Albums an den Plattenhändler des Vertrauens zu werden!

Homepage: www.motovun.de
MySpace: www.myspace.com/motovun

Text: Marius Meyer