Fink sind Geschichte, Nils Koppruch nicht. Nachdem der Sänger der Gruppe, die einst den Country im Indie-Bereich neu definierten, im vergangenen Jahr beispielsweise zum Fehlfarben-Jubiläum Das sind Geschichten beitrug, wird er jetzt den Teufel tun. Und zwar in Albumform. Mit Den Teufel tun ist Nils Koppruch jetzt ganz alleine am Werk. Mit einer leichten Kurskorrektur, durch die der Country-Anteil etwas verringert wird (ohne dabei gänzlich zu verschwinden), während antiproportional dazu die Singer-/Songwriterwirkung erhöht wird. Es ist berechtigt, wenn man von dem Mann spricht, der mal bei Fink war, es ist aber im gleichen Moment unangebracht, immer wieder mit Fink zu vergleichen.
Ruhig ist er geworden, nachdenklich. Auf diese Weise klingt Den Teufel tun wie das Ergebnis eines inneren Reifeprozesses. Die Nachdenklichkeit manifestiert sich harmonierend mit der Musik auch in den Texten. Eine Reflektion über das eigene Sein, die Grundlagen des Lebens, oder - phraseologisch dargestellt - auch „das, was die Welt im Innersten zusammenhält“. Dieses Nachdenken begibt sich auch auf die Meta-Ebene, auf der Nils Koppruch das reflektiert, was er im selben Moment tut: Liederschreiben und Geschichtenerzählen. Bei all dem kommen scheinbar simple Wahrheiten ans Tageslicht wie „dass es nur einmal das erste mal gibt“ im Titel Einmal. Lyrisches Feingefühl und Tiefgründigkeit verknüpft mit Erkenntnissen, die eigentlich plausibel erscheinen, wenn man nur einmal drüber nachdenkt.
So tut es Nils Koppruch. Er denkt nach. Und verpackt dieses Nachdenken in schöne Singer-/Songwriter-Stücke im ruhigeren Tempo-Bereich in einem Spannungsbereich zwischen Tom Waits und Howe Gelb, wiedergegeben mit vielen Anleihen und Motiven aus dem Folk. Ruhige, gezupfte Gitarren, sparsame Perkussion, dazu seine eingängige Stimme. Die allgemeine Getragenheit allerdings ist kein starres Korsett, sondern eher der große Rahmen, aus dem auch gerne mal dezent ausgebrochen werden darf. Oft geht es auch ein wenig treibender zu, in Heimweh ist die Gitarre gar dominant verzerrt zu hören. Mit eigenen Augen hingegen wirkt leicht poppig, angenehm treibt es nach vorn.

Was man auf diesem Album unter Umständen vermisst, ist einzig und allein der Schwung. Dieser Eindruck stellt sich zumindest bei den ersten Hördurchgängen ein. Wer dem Album seine verdiente Chance gibt, dem wird es sich schnell erschließen und bemerken, dass es viel mehr zu bieten hat, als man bei einem ersten oberflächlichen Hördurchlauf annehmen mag. Nils Koppruch hat ein ausgereiftes Album gemacht und seine ganz eigene Note fernab von Fink dabei manifestiert. Man sollte den Teufel tun, dieses Album voreilig abzustempeln!

Homepage: www.nilskoppruch.de
MySpace: www.myspace.com/nilskoppruch

Text: Marius Meyer