Rezensionen & Tonträger Marius, 20.05.2006
Novy Svet - fin.finito.infinito
Ursprünglich erschien dieses Werk bereits 2003. Damals allerdings nur auf einer LP, die auf bloß 77 Exemplare limitiert war und außer einem roten Titel auf schwarzem Hintergrund keine weiteren Informationen zu bieten hatte. Jetzt, im Jahre 2006, wurde diese CD wiederveröffentlicht und damit zum ersten Mal in digitalem Format einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die CD ist auf dem bandeigenen Label Nekofutschata veröffentlicht, wobei bei dieser Veröffentlichung allerdings nicht nur das Label, sondern auch die Musik sehr eigen ist.
Geht man nach der Homepage der 1997 gegründeten Gruppe, so ist eine der Ideen, Verwirrung in die Uniformität der Industrial-Szene zu bringen. Viel Industrial findet sich auf dieser Veröffentlichung zwar nicht, aber Verwirrung stiften kann die Musik allemal - vor allem dann, wenn man versucht, sie auf einen musikalischen Nenner zu bringen. Selber bezeichnen Novy Svet ihre Musik gerne als „Combat Folk“, wobei das Wort Folk am ehesten auf eine musikalische Verwurzelung verweist, die durch die oft begegnende Akustikgitarre begründet wird - insgesamt aber ist die Musik von Novy Svet eindeutig zu vielseitig, um dem zu entsprechen, was gemeinhin als Folk bezeichnet wird.
Nimmt man die ersten Stücke des Albums (un amante und sin palabras, so trifft das mit dem Folk noch durchaus zu, allerdings in einer verschrobenen Variante, als man das gewohnt ist. Spätestens aber bei einem Stück wie ausencia oder auch dem folgenden otras planetas merkt man, dass man mit Folk hier schnell auf den Holzweg gelangt. Besagte Stücke bewegen sich musikalisch in einem Spektrum von minimaler Elektronik und Noise und leben vor allem von ambienten Klangsphären gepaart mit verstörenden Hintergrundgeräuschen.
Ein Stück wie rios del exceso hingegen pendelt dann irgendwo zwischen loungigen Klängen und Free Jazz-Elementen und klingt doch irgendwie so, dass es eindeutig Novy Svet zuzuordnen ist. Ein ebenso loungiger Touch ist auch bei treinta anos zu finden. Tanzbarer hingegen gestalten sich Stücke wie en te und got it!, die durch einen Beat in der Grundstruktur zusammengehalten werden.
Ähnlich gemischt wie die musikalischen Spielarten ist auch die Wahl der Sprachen: Neben Italienisch und Spanisch findet sich auf der Wiener Formation auch Englisch als Sprache - auch hier legt man sich gewollt nicht fest (auf anderen Veröffentlichungen begegnen dem Hörer auch schon mal Französisch, Deutsch oder auch ein abgewandeltes Esperanto).
Was alle Stücke der Veröffentlichung eint: Es ist verschroben, teilweise verstörend, trotz aller musikalischen Unterschiede aber eindeutig einer Formation zuzuschreiben, womit sich zeigt, dass Novy Svet einen sehr eigenen Stil haben, der in dieser Form absolut einzigartig ist. Diese nahezu kultige Veröffentlichung zeigt dies sehr eindrucksvoll.
Hörproben: store.tesco-distro.com/cgi-bin/shopper.cgi?preadd=action&key=CDXXNEKO16
Homepage: www.artcraf.it/novysvet.htm (letztes Update: Juni 2002)

Text: Marius Meyer