Es ist schon immer wieder erstaunlich, wie gemein manche Bands doch sein können! Nicht nur, dass Omnia auf ihrem neuen Album einfach mal ihre bisherigen Grenzen nicht nur überschreiten, sondern weit hinter sich lassen, nein: Gerade zu Beginn erweist sich Wolf Love als eine ziemlich fiese Angelegenheit: Erst wird man mit Wake Up von Harfe und harmonischem Flüster-Gesang begrüßt, nur um darauf mit Dance until we die auf brachiale Weise umgehauen zu werden und Dinge zu hören, die man im Pagan Folk niemals für möglich gehalten hätte, die darüber hinaus auch noch wie die Faust aufs Auge passen, als wäre es nur selbstverständlich.

Denn in Dance until we die treffen harmonische Folk-Klänge auf aggressives Getrommel und gerappte Reime. Hiphop meets Pagan Folk? Unglaublich. Aber das Ergebnis kann überzeugen und verbreitet eine positive Grundstimmung. Dass die Band offensichtlich lauter kreative Höhepunkte gehabt haben muss, beweist dann auch die Vertonung von Jabberwocky aus Alice hinter den Spiegeln, das einen tief in den Kaninchenbau entführt und genauso überzeugt, wie Teachers von Leonard Cohen, welches auf eine ganz eigene Weise gecovert wurde. Richtig spaßig wird es bei Love in the Forest, welche vom Liebe-Machen in den Wäldern erzählt und lebensbejahender nicht sein könnte. Aggressiv und archaisch wird es dagegen bei Taranis Jupiter mit Klavier und Trommeln und Saltatio Vita schlägt dann doch eine Brücke zu den Vorgänger-Alben, die man schon vermisst hatte.

Diese Lieder sollen nur beispielhaft sein für die gesamte CD. Auf alle sechszehn Stücke einzeln einzugehen, würde wohl den Rahmen einer CD-Rezension sprengen. Aber es sollte längst klar geworden sein, dass man es hier mit einem zwar sehr abgedrehten, aber fantastischen Werk zu tun hat.

Wolf Love setzt definitiv eine gewisse Toleranz beim Hörer voraus, wird sich hier um Genre-Grenzen einfach mal ein Dreck geschert. Wer sich aber drauf einlässt, wird nicht nur mit einem tolles Album belohnt, sondern auch den für Omnia typischen Humor wiederfinden, für den Kenner die Band so zu schätzen wissen.

Homepage: www.worldofomnia.com
MySpace: www.myspace.com/worldofomnia

Text: Tristan Osterfeld