Rezensionen & Tonträger Karo, 02.02.2010
Pablo Held – Music
Die zweite Platte des jungen Trios um Pablo Held wurde von der Jazz-Szene gespannt erwartet, denn sie kam mit reichlich Vorschusslorbeeren. Als der Vorgänger Forest of Oblivion 2008 erschien, war Held erst 21 Jahre alt und sorgte für einigen Wirbel. Jetzt, zwei Jahre später, soll er seinem Ruf als Shootingstar der Szene gerecht werden. Der erste Titel des Albums, neckisch Encore betitelt, erweist sich als guter Einstiegspunkt: Er beginnt mit einer stimmungsvollen, leichtfingrigen Piano-Melodie, die recht schnell von einem immer eigensinniger werdenden Basslauf und leisen Drums begleitet und gleichzeitig gebrochen wird. So ist Encore nie einfach „schön“ und melodiös, sondern Jazz – nicht glatt und geradeaus, eher verspielt und voller Möglichkeiten. Das Ende des Songs kehrt zur ruhigen Anfangsmelodie zurück und schließt den Kreis. Und obwohl I have a dream, der nächste Titel, den Akzent mehr auf Helds Fähigkeiten am Piano setzt, wird Music insgesamt nie wesentlich dramatischer, als der erste Eindruck vermittelt; es ist ein stimmungsvolles, leises Album. Vor allem Moon 44 und Nearness sind gefühlvolle, ruhige Titel, die nicht zum Mitwippen, sondern eher zum Entspannen einladen. Und darin mag eine gewisse Gefahr liegen: Während Pablo Helds Fingerfertigkeit bewundernswert ist und mitunter an Keith Jarrett erinnert, fehlt dessen Dramatik. Was der Pressetext als „die Kunst des Nicht-Spektakulären“ bezeichnet, kann dazu führen, dass Music zumindest beim ersten und zweiten Hördurchlauf zwar in sich geschlossen, aber nicht einprägsam genug erscheint. Pablo Held und seine Mitstreiter Robert Landfermann und Jonas Burgwinkel ergänzen sich hervorragend und sind zweifellos begnadete Musiker, die ein technisch versiertes und gefühlvolles Album eingespielt haben, doch ein neues Kapitel in der Geschichte des Jazz ist es nicht. Eine vernichtende Kritik soll dies jedoch keinesfalls sein: Pablo Held hat noch ein ganzes Leben vor sich, um die Musikwelt zu erobern, und mit Music hat er bereits mehr erreicht, als man einem so jungen Mann zutrauen würde.
MySpace: www.myspace.com/pabloheld

Text: Karoline Fritzsch