Wer nicht an Kreativität glaubt, der sollte besser nicht weiterlesen. Aber wer mit Paolo Nutini etwas anfangen kann, der weiß, mit dem Namen ist neben einer recht außergewöhnlichen Stimme vor allem eines verbunden: ein Überschuss an Kreativität. Es ist schon eine Weile her, dass der junge Herr als Support für Paul Weller unterwegs war, aber was manch einer schon damals dachte, wird mit dem neuen Album Sunny Side Up bestätigt: Der Mann mit der markanten Stimme ist eine Bereicherung für die Musikwelt. Zwölf Lieder aus allen Himmelsrichtungen die von Reggae bis hin zu Soul und Country so ziemlich alles aufweisen, was gut mit den für Nutini typischen gitarrenlastigen Popsongs verbunden werden kann.

Ziel war es, nach ausgiebigem Touren frisch zu klingen und kreativ zu sein. Schon beim Opener 10/10 weiß der Hörer, beides ist dem Musiker mit seiner Band, Vipers, gelungen. Man fühlt die Rastazöpfe wachsen und wünscht sich neue Farben an den Wänden – Jamaika-Feeling, sozusagen. Und wenn schon der Anfang unberechenbar ist, sollte man nicht überrascht sein, wenn nichts gleich bleibt. Neben genanntem Reggae-Ausflug finden sich soulbeladene Lieder wie Coming Up Easy, Country-Varianten wie Simple Things, Folk-Lieder (Chamber Music) und herrlich mitreißende Rags wie Pencil Full of Lead. Und während man von dieser Vielseitigkeit fast umgeworfen werden kann ist eines erstaunlich: manchmal hat man das Gefühl, dass die Lieder von jemand anderem gesungen werden.

Die Stimme des erst jungen Musikers ist rau, markant und vor allem vielseitig. Ebenso ist der Stil des Schotten mit italienischer Herkunft. Es finden sich auch die schönen leichten Popsongs wie die erste Single Candy. Genanntes ist textlich emotional und manch anderer Musiker hätte eine tiefdeprimierende Ballade daraus gemacht. Doch bei Nutini wird trotz der Ernsthaftigkeit ein lockerer Popsong draus und genauso darf der Sommer klingen. Man hört oft das Klischee, dem Künstler bei der Arbeit zu schauen. Genauso hört sich Sunny Side Up an und genau das macht den Charme dieses Albums aus. Wenn das Album Nummer zwei ist, wie hoch will Paolo Nutini noch hinaus? Er hat schon jetzt viele zeitgenössische Musiker überholt.

Homepage: www.paolonutini.com
MySpace: www.myspace.com/paolonutini

Text: Katrin Gruhl