Musiker, die ihre erste Veröffentlichung schon herausgebracht haben, als man selbst noch gar nicht so wirklich in Planung war, stellen mitunter eine Herausforderung dar. Gerade dann, wenn man über eine Veröffentlichung des betreffenden Musikers schreibt, zu deren Zeit man selbst noch arg in den Kinderschuhen steckte. Nun liegt mal wieder so ein Fall vor: Paul Roland veröffentlicht anlässlich des 20jährigen Jubiläums des Albums erneut sein Album Duel. Und das nicht einfach so, sondern aufgemöbelt um einiges an Bonusmaterial. Der Platz auf einer CD ist schließlich weit größer als der einer Schallplatte. Ein Vorteil, den man sich anno 2010 zunutze macht.

Hört man zunächst mal den regulären Teil des Albums – soll heißen: den, der auch vor 20 Jahren schon drauf war – ist man erst einmal verwundert. Aus verschiedenen Gründen. Zum einen ist es der Klang an sich, zum anderen ist es die vermeintliche Aktualität des Klangs. Songs wie Knights und The Crimes Of Dr Cream klingen so, wie man sich heute häufig den Gothic Rock wünschen würde. Klare Songstrukturen mit verzerrten Gitarren, eingängiger Stimme und einem Hauch von Düsternis. Oder auch flächige Stücke wie Nosferatu, das mit seiner schleifenden Orgel eine düstere Atmosphäre ausstrahlt. Die düstere Atmosphäre begegnet häufig, stets aber, ohne dabei in ein allzu pessimistisches Klangbild abzudriften. Bei Songs wie Menagerie steht die Schönheit im Vordergrund, wobei dies ein Song ist, der stilistisch eher in die folkige Richtung geht. Paul Roland präsentiert sich vielseitig und gleichermaßen stringent, wie das Album zeigt.

Den Klang des ursprünglichen Albums setzen auch die zusätzlichen Stücke fort, die es auch auf die stattliche Anzahl von neun Bonus-Tracks bringen. Sieben Stücke davon stammen aus einer Radio-Live-Session, die letzten zwei Songs sind Demo-Versionen. Auch bei den Radio-Stücken merkt man, wie viel Gefühl in den Songs von Paul Roland steckt und ist abermals überrascht, dass es so vermeintlich zeitgemäß klingt. Man muss hier wirklich mal wieder „zeitlos“ als Bezeichnung anstrengen. Natürlich ist es so, dass oft dieser vielbeschworene „old school“-Touch mit dabei ist – jedoch ist ja gerade dies auch etwas, das in der heutigen Zeit viele Bands versuchen, wieder zu beschwören.

Die Wiederveröffentlichung von Duel kann man somit als eine sehr gute Maßnahme bezeichnen. Das Bonus-Material fügt sich gut mit dem eigentlichen Album zusammen, sodass man hier mit insgesamt 20 Stücken auf über einer Stunde eine gelungene Veröffentlichung bekommt. In einer limitierten Auflage gibt es zudem noch ein von Paul Roland selbstgestaltetes Buch dazu, was für Fans und Sammler sicher eine ebenso interessante Angelegenheit darstellt.

Homepage: www.paulroland.de
MySpace: www.myspace.com/paulrolandmusic

Text: Marius Meyer