Rezensionen & Tonträger Marius, 23.11.2007
Persephone – Letters To A Stranger
Während der Trubel um die angebliche Auflösung von L’âme Immortelle – die sich inzwischen glücklicherweise als Fehlinterpretation entpuppt hat – einiges Licht auf ihr vermeintliches Hauptprojekt gelenkt hat, erschien in all dem Trubel vor kurzem auch das neue Album ihres Ablegers Persephone, der sich ganz der klassischen Seite des Schaffens von Sonja Kraushofer verschrieben hat. Auf elf Stücken geben Persephone sich durch und durch klassisch, was sich darin äußert, dass das Album komplett orchestriert eingespielt wurde. Während bei der Instrumentierung das Philharmonische Kammerorchester Wernigerode half, saß an den Reglern John A. Rivers, der unter anderem auch schon für Dead Can Dance gemischt hat.
Wie die Instrumentierung mit einem leibhaftigen Orchester schon zeigt: Die Musik auf Letterst To A Stranger hat Seele. Keine Standard-Sounds aus der Konserve, sondern echte Celli, Kontrabässe und Klaviere begegnen. Und dennoch: Auch mit einem echten Orchester muss gar kein Bombast entstehen. Das Album setzt in seiner dezenten Spielweise auf klassische Schönheit, mit gelegentlichen unerwarteten Ausbrüchen. Es klingt zwar viel Herzschmerz aus den Titeln heraus, dennoch wird dieser Weg immer wieder kurz vor der Klischeebedienung abgeschnitten, so dass hier keine Plattitüde, sondern wirkliches Gefühl transportiert wird. Eingängig singt Sonja Kraushofer und dezent werden Streicher und Klavier gesetzt, so dass eine dramatisch-schöne Grundatmosphäre erzeugt wird, die sich angenehm, aber dennoch berührend ins Ohr setzt.
Und doch säuselt das Album eben nicht nur vor sich her. Abwechslungsreichtum ist dabei durchaus gegeben und gelegentlich löst sich die klassische Grundtendenz aus ihren Fugen. Bei Sonja Kraushofer ist ja bekanntermaßen immer wieder eine gewisse Theatralik vorzufinden. Theatralik und Temperament finden sich beispielsweise bei Mean: In einem chanson-artigen Grundmuster treibt das Stück munter nach vorne und die Stimme wird auch mal laut und geht aus sich raus. Oder wenn man Buried nimmt: Mit orchestraler Perkussion und ungeahnten Bassfiguren werden hier Klänge erzeugt, die genau so gut unter TripHop laufen könnten und einen exotischen Touch aufweisen, während die Streicher dennoch die gewohnte Dramatik liefern.
Zwar mögen die betonten Ausbrüche unerwartet kommen, aber doch untermauern sie genau das Konzept des Albums und fügen sich ausgesprochen gut in das Gesamtbild ein. Letters To A Stranger hat viele Facetten. Und dieser Facettenreichtum braucht eben eine adäquate Verwirklichung. Genau diese ist auf dem Album gut gelungen. Wenn die Info zum Album nun schreibt „File under L’âme Immortelle“, so dient dies ausschließlich einer personalen Einordnung. Musikalisch ist es ganz eigenständig Persephone. Nur: Wie nennt man das nun? Genrebegriffe wie Klassik oder auch Neoklassik sind sicher auf der einen Seite passend, auf der anderen aber vielleicht auch ungenügend. Der Vorschlag an dieser Stelle daher: Orchestrale Schönheit. Denn diese beiden Wörter beschreiben genau das, was die Briefe an einen Fremden bieten.
Homepage: www.persephone-home.de
MySpace: www.myspace.com/persephonehome

Text: Marius Meyer