Das letzte Album Phillip Boas liegt gar nicht lange zurück. Daher verwundert es manch einen, dass es nun kurz danach bereits eine Best Of von Phillip Boa und seinem Voodooclub gibt. Der alteingesessene Fan wundert sich weiter: Die erste Best Of ist dies ja auch bei weitem nicht. Der Teufel liegt hier im Detail: Decadence & Isolation kam auf Motor Music raus, die Best Of erscheint nun bei Universal (Polydor) – so was bringen Verträge und Labelwechsel wohl mit sich. Informationen aus dem Hause Universal zufolge soll dies der Auftakt zum Re-Release verschiedener alter Boa-Alben sein, die inzwischen nur noch schwerlich im gängigen Tonträgerhandel erhältlich sind. Harren wir der Dinge, die da kommen und schauen einmal die Boa Best Singles genauer an…
Wie der Name sagt: Die besten Singles des Herrn Boa. Diese von Titel 1 – 16 in chronologischer Reihenfolge, um danach von Titel 17 – 20 auch noch etwas für diejenigen zu bieten, die eigentlich nur ihre Sammlung vervollständigen wollen. Zur Musik von Phillip Boa muss nicht viel verloren werden, diese ist zum einen den meisten in irgendeiner Weise vertraut und es ist zum anderen etwas schwer, in der Kürze einer Rezension eine 20jährige Laufbahn zu charakterisieren. So gibt es die ganze Palette an Klassikern. Angefangen von This is Michael, über Fine Art in Silver und Love on Sale bis hin zu jüngeren Stücken wie Rome in the Rain. Alles Boa-typischer Indie-Rock mit teils oft düsterem Anklang und zu vielen Ecken und Kanten, um das ganz große Publikum zu erreichen, gepaart mit Eingängigkeit.
Interessant wird es indes, was uns die Titel 17 – 20 bieten. Der Reigen des zuvor Unveröffentlichten wird von einer Coverversion des Joy Division-Klassikers Love Will Tear Us Apart eröffnet. Boa hält sich nah am Original, was die Arrangements des Stücks betrifft, hüllt das Stück aber dennoch in ein für ihn relativ authentisches Soundgewand. Saubere Arbeit! Scandal befindet sich anschließend im MidTempo-Bereich und lebt vor allem vom lasziv angehauchten Gesang Pia Lunds. Der Song klingt leicht chanson-angehaucht und ist durchaus angebracht auf dieser Zusammenstellung. Auch der No No Song ist im MidTempo-Bereich angesiedelt, vom Spirit aber eher punkig. Boa betont hier, was er alles verneint. Eigentlich kein schlechtes Stück, aber doch für eine Best Of nicht reif. Zum Abschluss gibt es dann noch das Original Demo von And then she kissed her. Vor allem in den Gesangsspuren finden sich Unterschiede zur endgültigen Version. Ein sicher interessantes Tondokument für jeden Boa-Hörer.
Im Booklet finden sich dann noch Fotos verschiedenster Boa-Zeiten, bei denen teils tief im Archiv gewühlt wurde. Für den neueren Boa-Hörer ist diese Zusammenstellung sicher sehr hochwertig, der alteingesessene Fan mag sich ärgern, für eigentlich bloß vier neue bzw. ihm unbekannte Stücke den vollen Albumpreis zu bezahlen. Rein musikalisch gesehen ist die Veröffentlichung zumindest definitiv sehr hochwertig und lohnenswert!

Homepage: http://www.phillipboa.de

Boa Best Singles

Text: Marius Meyer