Rezensionen & Tonträger Marius, 29.08.2005
Phillip Boa & The Voodooclub – Decadence & Isolation
Der Ex-Halfpopstar. Der Mann, der wenn er gewollt hätte, ein ganz Großer hätte werden können. Der Mann, der Singles vom Markt zog, um kommerziellen Erfolg abzuwenden. Alles Geschichten, die keiner mehr so recht hören mag. Man liest sie überall. Wichtiger ist eigentlich vielmehr die Tatsache, dass der Herr Boa im Hier und Jetzt ein Album auf den Markt gebracht hat, dessen Geltung für die jetzige Zeit es zu beachten gilt anstatt in der Vergangenheit einer bewegten Laufbahn zu wühlen.
Das Album beginnt straight nach vorn. Die Gitarren erklingen treibend, Indie-Rock geraderaus, dazu Boas markante Stimme, im Chorus ergänzt durch den seichten Gegenpart in Pias Stimme. Dieser Kontrast bewährt sich auch auf dem neuesten Werk wieder. Ein würdiger Opener. Gefolgt vom Titelstück, das gleich als einer der Anspieltipps des Albums gelten kann. Es rockt und klingt doch melancholisch. „Life my friend is decadence and isolation“ – diese Aussage wurde entsprechend vertont. Auch hier wird wieder ein treibender Charakter deutlich, wie ihn viele Stücke des neuen Werks vorweisen können. Man hört Reminiszenzen an die Vergangenheit. Pixies? Joy Division? Velvet Underground? Aber: Alles nur Reminiszenzen, Ideen transponiert in die heutige Zeit – alles klingt mehr nach Boa als nach allem anderen.
Mit dem Stichwort Velvet Underground kommt dafür gleich das Thema Lou Reed auf den Tisch. Seine Sympathien für Lou Reed bekundet Boa offen und behandelt das Thema „I wanna be a guru“ reflektierend in „Making Noise Since 85“. Ein Stück, das eine weitere wichtige Seite Boas zeigt: Die Musik lebt eben genau nicht nur von Eingängigkeit, sondern auch von Ecken und Kanten. Diese bietet unter anderem genau dieses Stück. Anderes Beispiel: Die elektronischen Spielereien bei „2 White Moths And A Black Cat“.
Neben straightem Rock und Ecken und Kanten zeigt Boa aber, dass er durchaus ruhigere bis balladeske Stücke schreiben kann. Stücke wie „The People I Saw Were No Angels“ berühren – einerseits durch das Songwriting Boas, andererseits auch durch den wichtigen weiblichen Gegenpol in der Stimme Pia Lunds, ohne die das Album vermutlich nie so geworden wäre, wie es ist. Dies zeigt auch „God’s Train“, ein weiterer Anspieltipp.
Im gesamten gibt sich ein Bild, das zeigt, dass Phillip Boa wirklich wieder da ist. Mit neuer alter Stärke und dem Beweis, das auch nach so langer Zeit noch wirklich starke Alben machbar sind. Hoffen wir also auf weitere schöne Jahre mit Boa und freuen wir uns auf die Tour.
Homepage: www.phillipboa.de
Tour:
11.11.2005 Dresden Starclub
12.11.2005 München Backstage
13.11.2005 Erlangen E-Werk
15.11.2005 Bielefeld Ringlokschuppen
16.11.2005 Köln Gloria
17.11.2005 Hannover tba.
18.11.2005 Halle Schorre
19.11.2005 Rostock MAU
21.11.2005 Frankfurt Mousonturm
22.11.2005 Mannheim Alte Feuerwache
23.11.2005 Osnabrück Rosenhof
24.11.2005 Berlin Postbahnhof
27.11.2005 Erfurt Spot

Text: Marius Meyer