Der Release von Faking To Blend In ist nun ziemlich exakt anderthalb Jahre her. Eigentlich gar nicht so lang für ein neues Album, mag man sich denken. Dennoch ein Zeitraum, in dem so einiges passiert ist: Neben dem Entstehen neuer Stücke ist zum Beispiel mit Jaki Liebezeit eine Legende an Drums und Percussion zum Voodooclub gestoßen. Immerhin zeichnete er sich maßgeblich für das Entstehen der Alben von Can. Zudem hat Phillip Boa erneut das Label gewechselt und veröffentlicht nun bei Rough Trade, die ihm bereits 1986 seinen ersten Vertrag vermittelt hatten. Soviel also zu den Eckdaten, bevor es nun darum gehen soll, was das Wesentliche der Veröffentlichung ausmacht: Die Musik.

Was man schnell feststellt: Das Album klingt anders, als man es vermutlich erwartet hat. Das geht schon mit dem eröffnenden Titeltrack Diamonds Fall los, bei dem man auf einen Beginn mit Pauken und Trompeten vergebens wartet. Stattdessen begegnet ein getragenes Midtempo-Stück mit vielen Keyboard-Klängen und opulent anmutendem Chorus, bevor man danach mit Valerian gar erstmal ins Balladeske abdriftet. Hört man dann weiter, hat man zunächst immer noch den Eindruck: Irgendwas ist hier anders – bis man nach mehreren Durchläufen dann drauf kommt: Vielleicht ist es der Gitarreneinsatz, der dieses Album so anders erscheinen lässt. Tatsächlich: Fast die gesamte Spieldauer über sind die Gitarren klar, der Verzerrer wird höchstselten verwendet. Die Vorabsingle Lord Have Mercy With The 1-Eyed ist also ein durchaus charakteristisches Stück für das Album.

Das Tempo wird dann aber doch auch immer wieder angezogen. The World Has Been Unfaithful beispielsweise ist da schon schneller zuwerke, zeigt aber dennoch einen sehr abgeklärten, harmonischen Boa. Trotzdem ist der Hang zur Melancholie unverkennbar, die mal mehr und mal weniger auf diesem Album durchschimmert. Ganz prototypisch zeigt sich das in The Race Is Over, das durch seinen bittersüßen Chorus besticht, der einen sehr gelungenen gleichzeitigen Gesang von Boa und Pia Lund präsentiert. Gerade hier ist der melancholische Touch mit seiner gleichzeitigen Nachdenklichkeit und dabei durchaus vorhandener Hoffnung deutlich zu hören. Auch der nachdenkliche Eindruck ist dabei etwas, der sich immer wieder durch das Album zieht.

Wer nun ein prototypisches Indie-Rock-Album erwartet hat, wird sich arg wundern über das, was er mit Diamonds Fall geboten bekommt. Stattdessen macht Phillip Boa mit seinem Voodooclub auf diesem Album das, was er eigentlich schon immer am besten konnte: Einfach nur das, was er will. Im Endeffekt muss man also sagen, dass Boa auf Diamonds Fall genau das macht, was man beinah erwarten musste: Nämlich ein Album, das in der Form keiner erwartet hat. Und wo der Albumtitel es schon nahe legt: In der Tat finden sich auf diesem Album viele schöne Diamanten!

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Homepage: www.phillipboa.de
MySpace: www.myspace.com/phillipboaandthevoodooclub

Text: Marius Meyer