Rezensionen & Tonträger Katrin, 14.06.2009
Placebo – Battle For The Sun
Sind es wirklich schon 13 Jahre? Tatsache, 13 Jahre und 5 Studioalben – und erneut finden sich Placebo in ihrer nun schon dritten Besetzung bei den Neuerscheinungen. Battle For The Sun heißt das neue Stück und zieht sich durch alles, was Placebo zu bieten haben. Und mit dabei sind alte Stärken und neue Schwächen. Nicht dabei ist Drummer Steve Hewitt, der nach der Meds-Tour die Band verließ. Neu dabei ist Steve Forrest, ein junger Drummer aus Kalifornien. Und auch dabei sind die typischen leicht bis extrem pessimistischen Texte von Brian Molko. Aber Placebo wäre nicht Placebo wenn dem nicht so wäre. Und so finden sich auf dem Album mit dazugehöriger Doku-DVD 13 Lieder, die von gefallen bis enttäuschen alles können und am Ende trifft der Hörer die Entscheidung, ob Placebo sich übertroffen oder eine Grube gegraben haben.
Es kommt nicht oft vor, aber die ersten drei Lieder auf Battle sind beim ersten Hören einfach seicht. Titelgeber Battle For The Sun ist textlich weiter unten auf den Skalen zu finden und die Wiederholungen wirken dumpf. Auch Ashtray Heart wird erst beim zigst-maligen Hören angenehmer. Musikalisch wirkt es zu gezwungen und es passt einfach nicht. Und wer beim Probehören nicht über die ersten drei Songs hinausgeht und das Album wieder zurück ins Regal stellt, der verpasst die großen Momente der neuen Platte und somit einige Höhepunkte in der Karriere von Placebo.
Devil in the Details zeugt dann von der großen Kunst von Placebo – große Melodie, durchdachte Texte und die Stimme von Molko bleibt wo sie am besten klingt – rundum hymnentauglich. Bright Lights kann sich zusammen mit Kings of Medicine ebenfalls zu einer der neuen Hymnen entwickeln. Während Bright Lights gekonnt locker in einem schön verpackten Pop-Rock-Gemisch daherkommt und auch textlich überzeugt, greift mit Kings of Medicine eine neue düster und verloren wirkende Zeit um sich, die den Hörer berührt und vergewissert: Placebo können es noch immer. Die kraftvollen und grandios melodischen Pophymnen, die man nicht so schnell vergisst. Eine große Rolle dabei spielen Lieder wie Speak In Tongues oder The Never-Ending Why. Euphorisch, pulsierend, einfach gut.
Es gibt sie zwar, die zu experimentellen Lieder, die nur teilweise wirken und bei denen Molko zu viel versucht, aber dafür gibt es auch die Lieder, die einfach mal aus der Reihe treten und überragend sind. Come Undone ist das perfekte Beispiel für dieses Besonders-Sein. Wenn das der Sound ist, mit dem Placebo in die Zukunft will, dann kann man den Herrschaften nur gratulieren und man wird sich noch viele Jahre an dem Trio erfreuen können. Und der Festivalgänger kann sich ebenfalls freuen, denn Placebo werden mit einer sechsköpfigen Band, inklusive Violinist, die europäischen Festivals unsicher machen. Wer auch nur etwas Interesse an Musik hat der weiß was zu tun ist: live sehen oder wenigstens Platte besorgen. Beides ist besser.
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Homepage: www.placeboworld.co.uk
MySpace: www.myspace.com/placebo

Text: Katrin Gruhl