Rezensionen & Tonträger Marius, 23.11.2007
Poets To Their Beloved – Embrace The Fool
Wer sich auf einem Percussionworkshop von Brendan Perry kennenlernt, stellt damit eigentlich fast schon gezwungenermaßen einige Weichen für die musikalische Zukunft. Genau, jener Brendan Perry, der zu den legendären Dead Can Dance gehört. Auf einem Workshop von ebendiesem lernten sich Saskia Dommisse und Marcel Schiborr kennen. Aus dieser Begegnung entstand die Gruppe Poets To Their Beloved, die nach einer Demo-EP im Jahr 2005 nun mit Embrace The Fool bei Kalinkaland/Broken Silence ihr Albumdebüt veröffentlichen. Darauf treffen sich Folk, klassische Elemente, wechselnder Gesang und diverse Einflüsse ehtnischer Musikstile.
Die Ode To Melancholy ist beispielsweise ein repräsentatives Stück auf der Veröffentlichung. Gezupfte Gitarren, Flöten, Klänge aus dem Klavier, alles eingebunden in einer ruhigen Grundatmosphäre. Melancholisch eben. Für zusätzliche Wärme sorgt hier auch die Tatsache, dass gerne mal beide Gesangsstimmen kombiniert werden. Eine dunkle, aber doch warme Spielweise von Folk ist es hier, was das niederländisch-deutsche Duo bietet. Es spricht eine Nachdenklichkeit aus dem Stück, aber auch Schönheit. Doch es ist nicht nur immer die ruhige Schönheit, die von Poets To Their Beloved gezeigt wird. Der Opener Embrace The Fool ist so ein Stück, das da viel forscher vorgeht. Von der Instrumentierung zwar am musikalischen Gesamtbild eindeutig angelegt, ist es allerdings viel treibender und wirkt durch seinen E-Bass und dessen dezente Hektik so gar nicht folkig. Dennoch bleibt der Folk der Rahmen, der gerne auf verschiedene Art und Weise gefüllt wird. Nimmt man einen Titel wie Your Eyes So Strange To Me, fällt der Einfluss ethnischer Stile auf, der sich am perkussiven Element in der Musik immer wieder äußert auf Embrace The Fool.
Es ist insgesamt durchaus atmosphärisch, was das Duo hier auf ihrem Erstling veröffentlicht. Eine Menge Schönheit und Abwechslungsreichtum werden versprüht und die Instrumentierung ist alles andere als eindimensional: So begegnen Streicher, Gitarren, Celli, Violinen, Flöten und diverse Percussion, die sich hier die Klinke in die Hand geben. Musikalisch und auch von der Stückanordnung her wirkt die Umsetzung sehr schlüssig. Dennoch fehlt hier und da immer mal das gewisse Etwas, der große Aha-Effekt will sich nicht immer einstellen. Das ist eigentlich schade, denn das Album ist alles andere als schlecht. Wer gerne Neofolk hört und den Horizont erweitern möchte, ist hier sicherlich genau so gut aufgehoben wie der Freund romantisierender Musik etwas düsterer Natur. Eine Chance verdient hat Embrace The Fool eindeutig. Und gerade, wo es ein Debüt-Album ist, kann man sicherlich gespannt sein, wie es mit der Formation weitergehen wird.
Homepage: www.poets.equilibriummusic.com
MySpace: www.myspace.com/poetstotheirbeloved

Text: Marius Meyer