Rezensionen & Tonträger Tristan, 07.02.2010
Post Scriptvm - Grey Eminence
Ja ja, so ist das mit Alben: Eigentlich sollte man schon vorher wissen, worauf man sich einlässt, besonders die Plattencover mancher Alben sollten Warnung genug sein. Und deswegen sollte man schon eine Vorahnung haben, wenn dieses aus einer sehr schicken, aber bizarren Fotocollage besteht, die vollkommen wirr erscheint. Diese Ahnung wird dann später noch bestätigt: Abgründe tun sich da mal wieder auf, aber das ist in dem Fall durchaus nicht schlimm. Denn zumindest kann man so auf Grey Eminence am eigenen Leib erfahren, wie es sich anfühlt, wenn auf einen Versatzstücke aus Ambient, Noise und Industral losgelassen werden und auf eine sehr schräge Weise kombiniert werden. Fiese Momente gibt es dann auf jeden Fall genug.
Beispielsweise in Abortion of Memories, bei welchem Geräusche einer Beatmungsmaschine und widerliches Gelächter auf das Piepen einer Registerkasse treffen. Bei all dem erklingt noch zwischendurch zusätzlich der Ruf einer Eule. An anderen Stellen treffen Chöre oder schwer zu verstehende Sprachsamples auf pulsierende Geräusche und Soundscapes, die mal mit dem Bellen von Hunden oder Getrommel ergänzt werden. Upon decadent Scum dagegen ist eine fiese Noise-Collage mit bis zur Unverständlichkeit verzerrtem Sprechgesang und klingt sehr martialisch. In Homo Spectator werden dann Sprachsamples von Nazireden neben Reden in englischer Sprache gestellt, wobei in diesen auch mal das Wort Taliban vorkommt. Der Vergleich ist weder neu noch originell und auch nicht wirklich wieder mal nötig, aber durch das zwischendurch auftretende Rauschen scheint es so, als würde man zwischen zwei Radiostationen hin- und herschalten. Durchaus keine schlechte Idee.
Das Label bezeichnet in der Beschreibung diese Musik als „Necroindustrial“. Sucht man nach einer Beschreibung für diese Musik, passt es sehr genau. Wie ein kafkaesker Trip durch das Reich der Toten, wo alles ins groteske verzerrt wird und sich alles in sich aufzulösen scheint. Genau deswegen ist es ein sehr spannendes Werk geworden, das aber dem Hörer viel Geduld abverlangt.
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Text: Tristan Osterfeld