Raspad kommt aus dem Russischen und bedeutet Zerfall. Ein gut gewählter Titel für die Klänge, die Post Scriptvm auf ihrem zweiten Album präsentieren, denn die Industrial-Stücke, die es hier zu hören gibt, evozieren beim Hörer durchaus Zerfallsszenarien. Langsame Tonstrecken bauen sich auf, der Zerfall ist schreitend, aber kontinuierlich. Dies zeigt sich bereits im Eröffnungstitel Crepusculum, der zusammen mit dem ebenfalls über zehn Minuten andauernden Titel Fever Dream das Werk einrahmt. Mit einem konstanten Basston, der immer intensiver wirkt, geht es los, gefolgt von einem Frauengesang, der wie ein Abgesang auf das Zerfallende deutbar ist, bis die Kulisse danach insgesamt zusehends bedrohlicher wird und unter eingeworfenen langsamen Sprachsamples Klänge wie auf einer Baustelle vernehmbar sind. Bohrende Töne und immer wieder Geräusche, die schwer zu orten sind, beispielsweise schrilles Pfeifen.
Diese Beschreibungen bieten dabei gleichzeitig einen guten Boden für die weiteren Stücke des Albums, die sich alle in einem solchen Spannungsfeld abspielen, bei dem die Gewichtungen der Bestandteile differieren. Es ist langsame Musik, die einem konstanten in sich geschlossenen Wandel ergeben ist. Immer wieder neue Geräusche, bei denen zwar der altbekannte verstörende Zwischenton immer wieder zu vernehmen ist, jedoch in einer Art und Weise, die nicht unbedingt intendiert erscheint. Intendiert scheinen hier eher die Zerfallscollagen und die behäbige Langsamkeit.
Insgesamt ist Raspad ein durchaus spannendes Industrial-Album geworden, das durch seine betont langsamen Stücke nah an der Schnittstelle zum düsteren Ambient anzuordnen ist. Was der eine als spannend empfindet, ist jedoch für den anderen schlicht langweilig. So bewegt sich Raspad auf einem schmalen Grat zwischen Spannung und Langatmigkeit. Wer sich von diesem Tonträger angesprochen fühlt, sollte also die Möglichkeit des Probehörens nutzen, was in Zeiten von Web 2.0 durch Plattformen wie MySpace kein größeres Problem darstellen sollte.

Homepage: www.postscriptvm.com
MySpace: www.myspace.com/postscripvm

Text: Marius Meyer