Die Single Feel hatte die Erwartungen an Project Pitchforks neues Album hoch gesteckt. Dass mit Dream, Tiresias! nichts bahnbrechend Neues das Licht der Welt erblicken würde, war bereits nach dem Release von Feel klar. Trotzdem ist Dream, Tiresias! auf den ersten Blick ein Werk, das sich problemlos in die Reihe der bisherigen Veröffentlichungen einreihen kann. So wird dem Album auch in bekannter Manier ein Leitthema überschrieben. In diesem Fall ist das Tiresias, der blinde Seher der griechischen Mythologie, der seine Prophezeiungen zwar widerwillig mit anderen teilte, jedoch immer richtig lag.
Mal mehr, mal weniger subtil machen Project Pitchfork in Dream, Tiresias! auf Missstände der Gesellschaft aufmerksam. Dabei klingen die Texte frisch und unverfälscht, im üblichen Project Pitchfork-Stil eben, aber keinesfalls langweilig oder überholt. Dem Leitthema des träumenden, blinden Sehers folgend erscheinen die in den Songs beschriebenen Themen oft traumbildartig, was besonders am ausgefeilten Einsatz der Musik liegt. Das neue Album ist durchweg sehr elektronisch geraten; harte Beats wechseln sich mit nahezu sphärischen Klängen ab und der Gesang von Peter Spilles wird durch geschickt eingesetzte Samples unterstützt.
If I Could eröffnet das Album stark und treibend; ein Eindruck, der mit dem zweiten Song Nasty Habit nur verstärkt wird. In ebendiesem wird auch die Gesellschaft recht offen, passend zur Musik weniger verschlüsselt, angeprangert: dem nervenden, sich verändernden Kind mit dem Evil Habit of saying No werden kurzum Pillen verschrieben, um es gefügig zu machen: Hooray, Pharmacy is always right! Mit Passion schließlich klingt Dream, Tiresias! sphärisch-nachdenklich aus.
Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack. Das Album klingt in sich nicht rund, die Stimme von Peter Spilles macht teilweise einen gezwungenen Eindruck – besonders, wenn es wie bei The Tide etwas rauer oder tiefer klingen soll. Gleichzeitig erinnert Dream, Tiresias!, an die älteren Werke von Project Pitchfork. An sich ist das nichts Schlechtes, bei einzelnen Songs schleicht sich jedoch der Gedanke ein, man habe diesen Text, diese Melodie oder diese Komposition aus Beidem schon einmal gehört.

Dream, Tiresias! hat sicherlich Einiges zu bieten. Schon der Umsetzung des Leitmotivs in den einzelnen Songs zu folgen, ist aufschlussreich, da mit der Thematik der „Prophezeiung“ sehr unterschiedlich umgegangen wird. Insgesamt ist das Album gut gelungen und reiht sich – wie erhofft – problemlos in die lange Reihe gut durchdachter Veröffentlichungen der Band ein. Trotzdem bleiben Ausreißer „nach unten“, die das Hörerlebnis etwas trüben.

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Rezension: Project Pitchfork – Feel

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Text: Lisa Kleinberger