Rezensionen & Tonträger Tristan, 27.02.2010
Ptyl – V
Also wenn ich Musik höre, möchte ich ja angenehme Sachen hören. Nicht so Krach oder so was. Ich verstehe ja sowieso nicht, wie sich Leute so etwas antun können, ich mein von so ’ner Musik – wenn man das überhaupt so nennen kann – bekommt man doch nur Kopfschmerzen. Oder formulieren wir es mal anders: Da hat wohl jemand Angst vor Musik, die nicht seicht ist und direkt leichtfertig ins Ohr geht. Angst vor Musik, mit der man sich auseinander setzen muss, die nicht immer angenehm im Ohr klingt. Wenn man diese Art von Musik weder hören noch verstehen will, kann man jetzt auch gerne aufhören, weiter zu lesen. Wer Musik mit Ecken und Kanten, die zeitweise auch anstrengend sein kann, zu schätzen weiß: Willkommen in der Welt von PTYL!
Nach dem hoch gelobten Hell Sounds ist nun in Form von V endlich das neueste Werk des israelischen Künstlers erschienen. Doch als wäre dieses Werk nicht genug, findet man noch auf der Veröffentlichung noch eine weitere CD mit dem Titel Loki, auf welcher zusätzlich Lieder zu hören sind, die „so nebenbei“ entstanden sind. So kommt man auf insgesamt 37 Lieder, was diese Veröffentlichung zu einem nicht gerade leicht verdaulichen Doppel-Album macht.
Denn wenn die Stücke alle eines gemeinsam haben, ist es, dass sie völlig unberechenbar sind: Die Songs sind in sich labyrinth-artig angelegt und verschachtelt, dass man sich mit jedem einzelnen schon überdurchschnittlich lang beschäftigen könnte. So kann es auch geschehen, dass man nach durchaus tanzbaren Stücken plötzlich inmitten von völlig atonalem Krach steht.
Es kostet also viel Zeit, bis man mal so etwas wie Strukturen auf diesem Album zu erkennen glaubt. Mitunter tritt dies leider aber auch nicht auf. Dann erscheinen selbst nach mehreren Durchgängen die Lieder fast beliebig aneinandergereiht oder -komponiert. Da man das so nicht stehen lassen will, läuft das natürlich nur auf eines hinaus: Weitere Durchläufe.
Harter Tobak also, der viel Geduld benötigt. Wer sich übrigens noch so richtig in das Werk reinarbeiten will, kann den letzten Track der Loki-CD namens The gift mal zu einer .wav-Datei umformen und dann die Endung .html anfügen. Dann erwarten einen unter dem Namen The Delta Story noch dreihundert Seiten philosophische Hintergrund-Informationen zu diesem Werk. Also: Wer gerne unbequemen Industrial mit viel Reibungsflächen hört und sich gerne in die Materie einarbeitet, wird an diesem Doppel-Album seine helle Freude haben. Wer einfach nur Musik hören will, dem sei aber geraten: Finger weg!
Homepage: ptyl.blogspot.com
MySpace: www.myspace.com/ptyl

Text: Tristan Osterfeld