Rezensionen & Tonträger Marius, 04.02.2006
Richard Ashcroft – Keys To The World
Wir befinden uns im neunten Jahr nach der Urban Hymns, The Verve sind längst Geschichte, Richard Ashcroft hat jüngst sein drittes Soloalbum veröffentlicht. Was auf dem neuen Album von The Verve noch übrig bleibt, sind Drummer Pete Salisbury und die Stimme, mehr nicht. Denn: Wichtig ist hier weniger, dass ein Album vorliegt vom „dem Mann, der mal The Verve war“, sondern vielmehr, dass Richard Ashcroft mit seinem neuen Studiowerk ein starkes Album veröffentlicht hat, das beweist, dass aus England nach wie vor mit hochwertiger Musik zu rechnen ist. Statt wie auf dem letzten Album auf Stücke in Überlänge zu setzen, mag es Richard Ashcroft dieses Mal lieber kompakt. Zehn Stücke von etwa vier bis fünf Minuten sorgen für eine gelungene Dreiviertelstunde hochwertigen britischen Klangguts.
Was bereits im Opener Why Not Nothing? überrascht ist, dass sich auf dem Album ein ziemlicher Optimismus breit macht. Es rockt munter los und erst beim Hören der Stimme ist zu vernehmen, dass das wirklich der Richard Ashcroft ist. Nach diesem überraschend rockigen Opener zeigt Ashcroft auf dem Album aber überwiegend Musik in dem Bereich, der seit jeher seine große Stärke war: Das mittlere Tempo. Über schwebenden Synthesizer-Flächen im treibenden Grundrhythmus erklingen britpoppige Gitarren, wobei auch nicht gescheut wird, Melodieführungen zu spielen anstatt nur begleitende Akkorde zu bieten, was sehr erfrischend wirkt. Dies zeigt sich zum Beispiel in der ersten Single-Auskopplung Break The Night With Colour wie auch im Titelsong Keys To The World, den mal als herausragendes Highlight in der Mitte des Albums platziert hat. Des Weiteren fallen in dem Stück auch immer mal wieder Streicher im Hintergrund auf. Auch wenn es ein sehr eigenständiges Album ist – gerade hier wird dann doch die eine oder andere Erinnerung an The Verve wieder wach.
Phasenweise muss der Optimismus allerdings doch mal leicht weichen, Richard Ashcroft kann es nach wie vor: Unter die Haut gehende Balladen schreiben. Dies geschieht zum Beispiel bei Cry Til The Morning. Heulende Gitarren, Melodieführungen auf dem Klavier und eine sehr balladeske Grundhaltung prallen hier aufeinander. Dennoch: Es klingt auf eine schwer zu beschreibende Weise im Innersten immer noch optimistischer als das, was man sonst von Ashcroft gewohnt ist. In einer sehr ehrliche Art.
Mit den angesprochen Stücken lässt sich die Bandbreite des Albums gut beschreiben. Ein angenehm überraschendes Gesamtwerk, mit dem in der Stärke nicht zu rechnen war. Dieses Werk könnte prototypisch für eine aktuelle Auffassung von BritPop stehen. Unverständlich, warum ein Mann wie Richard Ashcroft sich auf der letzten Coldplay-Tour im Vorprogramm verheizen lassen musste – nächstes Mal müsste es umgekehrt sein. Mit diesem Album…
Homepage: www.richardashcroft.com

Text: Marius Meyer