Was mussten wir doch mit Richard Ashcroft schon alles mitmachen. Hoffnungen wurden geschürt, Hoffnungen wurden erfüllt, weitere Hoffnungen enttäuscht, neue Hoffnungen geweckt… Was dabei immer wieder raus kam: Hervorragende Musik! Zunächst mag es überraschend scheinen, dass nach der gefeierten Re-Union von The Verve nun doch wieder Richard Ashcroft alleine auf der Bildfläche erscheint. Nach dem starken Forth hatte man doch alle Hoffnungen… Aber The Verve waren personell immer ein Wackelkandidat, Richard Ashcroft hingegen schon immer ein großartiger Musiker! So kommt er nun auch wieder – weder solo noch mit The Verve, sondern diesmal mit seiner neuen Band Richard Ashcroft and the United Nations of Sound.

Und was er sich da für eine Band zusammengesucht hat: Mary J. Bliges Gitarrist Steve Wyreman ist beispielsweise mit an Board. Sowie auch Benjamin Wright, der bereits für die Streicher auf Michael Jacksons Off The Wall verantwortlich war und nun bei Richard Ashcrofts Musik Hand an die Streicher legt. Das ist natürlich erst einmal viel heiße Luft. Besser klingt es schon, wenn man sagt, dass diese Musik mehr als die Summe ihrer einzelnen Teile ist. Man könnte meinen, die Band hat genau das gefühlt, was Richard Ashcroft rüberbringen möchte. Denn das Album ist ein authentisches Richard Ashcroft-Album geworden, das dennoch auch den Sound der Mitstreiter spüren lässt.

Bei einem Musiker wie Richard Ashcroft ist es natürlich immer schwer, sich von den Vorgängern zu lösen. Durch den Streicher-Einsatz muss man eben doch oft mal an die Urban Hymns und ihre Bitter Sweet Symphony. Auf der anderen Seite präsentiert sich Richard Ashcroft aber auch als der britische Pop-Musiker, den er vor allem solo gab (wobei auch hier die Grenzen fließend waren). Nur dass die Vielseitigkeit auf diesem Album bemerkenswert gestiegen ist. Ein Song wie Are You Ready ist da noch ein wuchtiger Rock-Song mit Groove. This Thing Called Life hingegen ein charmantes Popstück mit großem Streicher-Einsatz. Oder aber ein Song wie This Thing Called Life, dessen Art des Gitarrenspiels schon ins Tanzbare driftet, während How Deep Is Your Man mit Blues und Soul flirtet.

Schön ist, dass dies hier nicht als Haufen nebeneinander liegender Genres begegnet, sondern sich zu einem schlüssigen Ganzen fügt. Wenn man nun fragt, was das denn für ein Genre sei, müsste man eigentlich unter dem Titel „Richard Ashcroft“ ein eigenes Genre öffnen, denn es ist wirklich sehr eigen, was er macht. Und dabei doch sehr zugänglich. Als eine der letzten Größen des BritPop im wahren Sinne zeigt Richard Ashcroft nach wie vor die Höhe der Messlatte auf. Ein Muss!

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Homepage: www.richardashcroft.co.uk
MySpace: www.myspace.com/richardashcroftmyspace

Text: Marius Meyer