Rezensionen & Tonträger Karo, 28.02.2010
Ringo Starr - Y Not
Der arme Ringo. Immer der Mann im Hintergrund, immer nur der Drummer. Obwohl ihn ein beachtlicher Kultstatus umgibt, wird ihn kaum einer als seinen Lieblingsbeatle angeben, und sogar seine Heimatstadt ist ihm nach ein paar unbedachten Äußerungen über sein gespaltenes Verhältnis zu Liverpool auf eine Art und Weise böse, die mitunter bizarre Züge annimmt. Trotzdem macht er fröhlich weiter, wie es nur ein Mann kann, der sein Leben der Musik gewidmet hat. Mit Y Not veröffentlicht Ringo Starr nun sein 15. Studio-Album, und zum ersten Mal hat er trotz tatkräftiger musikalischer Unterstützung von Künstlern wie Dave Stewart, Joss Stone und Richard Marx das Ruder in die Hand genommen und sein Album selbst produziert.
Doch selbstverständlich ist es Paul McCartney, der für den meisten Wirbel sorgt. Spielt er auf Peace Dream noch lediglich Bass, wird Walk With You, sein Duett mit Ringo, zur nostalgischen Beatles-Reunion, oder zumindest dem Nächsten, dem man einer solchen kommen kann. Der Song wird allein durch den Wiedererkennungswert und die Qualität von McCartneys sanfter Stimme zum Sir Paul-Schaulauf, denn, geben wir es doch zu, Ringo ist nicht mit der tragkräftigsten Stimme gesegnet. Sein Songwriting lässt sich bei Walk With You jedoch nicht kritisieren: Es ist ein schöner Track geworden, den man auch ein paar Mal hören kann, wenn man nicht zu nostalgischen Anwandlungen neigt. Doch tut man es, gewinnt das gesamte Album eine zusätzliche Ebene: Immer wieder besinnt sich Ringo auf seine Freundschaften zu John, Paul und George, und diese Erinnerungsfetzen können einem Beatles-Nostalgiker den einen oder anderen Seufzer entlocken. Ringo wirkt dabei keinesfalls, als wolle er sich mit fremden Federn schmücken – das hat er nicht nötig. Vielmehr hat man das Gefühl, er sein auch Jahrzehnte später noch dankbar für die Gelegenheit, ein Teil der berühmtesten Popgruppe der Welt gewesen zu sein. Auf The Other Side of Liverpool bezieht er sich auf seine Zeit vor der Beatlemania – wer das Glück hatte, Ringos Geburtshaus und -Gegend vor der Planierung seitens der Stadtverwaltung gesehen zu haben (für böse Zungen ist auch das eine Spielart der oben erwähnten Liverpooler Rachegelüste), kann sich vorstellen, dass es keinesfalls eine einfache Kindheit gewesen sein kann. Und trotzdem bedankt sich Ringo im Song bei den Musikern, die ihm den Sprung aus dem Ghetto ermöglicht haben, und lässt sich nicht bemitleiden. Ringos letzter Liverpool-Song und die dazugehörigen Interviews kamen in der Heimat so schlecht an, dass eine Ringo-Baumschnittstatue buchstäblich den Kopf hinhalten musste; es bleibt zu hoffen, dass das Publikum dieses Mal freundlicher reagiert.
Der Rest des Albums besteht aus teilweise erfreulich groovigen Songs (Time, Can’t do it wrong), aber auch aus Songs, mit denen nur ein Star wie Ringo durchkommen kann (Who’s Your Daddy). Insgesamt wirkt Y Not ein wenig veraltet, ja, nostalgisch, und nicht die Spur innovativ, aber auch das hat Ringo Starr nicht nötig. Fans werden das Album mögen, und alle Anderen sollten ihm zumindest eine Chance geben. Einem Kämpfer wie Ringo muss man einfach Respekt zollen.
Homepage: www.ringostarr.com
MySpace: www.myspace.com/ringostarr

Text: Karoline Fritzsch