Rezensionen & Tonträger Katrin, 06.05.2009
Ronan Keating – Songs For My Mother
Ronan Keating. Erst mal tief Luft holen und ignorieren, dass hier eines der Mainstream-Pop-Alben des Jahres vor einem liegt. Nummer eins in Großbritannien, aber das muss nichts heißen. Konzeptalbum, Coveralbum, Popalbum. Cover können grandios sein, man muss sich nur in den Alben der leider viel zu früh verstorbenen Eva Cassidy verlieren. Doch wer bei Songs For My Mother ähnlich großes erwartet, dem wird die Enttäuschung noch lange ins Gesicht geschrieben stehen. Denn selbst wenn man bei Ronan Keating und den Konsorten von Boyzone den Radiosender wechselt, kommt man nicht umher zu sagen, dass Herr Keating singen kann. Doch eine gute Stimme rettet bei diesem Album leider nichts.
10 Jahre ist es jetzt her, dass die Mutter von Ronan Keating an Krebs verstorben ist. So wurden hier die 10 Lieder eingespielt, die Marie Keatings Lieblingslieder waren oder in der Zeit nach ihrem Ableben für Ronan von besonderer Bedeutung waren. Und so ist es nicht verwunderlich, dass man neben Cyndi Lauper, Joni Mitchell und irischen Volksliedern eine große Portion Traurigkeit vorfindet. Doch während man bei Covern entweder nah am Original bleiben oder mutig rundumerneuern sollte, scheint sich Ronan durchgängig für die falsche Variante oder ein unerklärliches Mittelding entschieden zu haben. Time after Time ist als Opener noch hörbar, wenn auch die Originalversion von Cyndi Lauper um einiges besser ist. Doch wenn man dann beispielsweise I Believe (man erinnere sich an R. Kelly) hört, weiß man nicht, was schlimmer ist: die Coverversion oder die Tatsache, dass Keating es überhaupt versucht hat.
Selbst vor grandiosen Titel wie Suspicious Minds, welches schon etliche Male höchst erfolgreich gecovert wurde, macht der singende Ire nicht halt und es geht nicht gut aus. Ebenso wenig die Variationen von Carrickfergus und The Wild Mountain Thyme. Erstgenanntes ist eines der bekanntesten Lieder Irlands und was Keating daraus macht, lässt andere Iren zu folgenden Äußerungen hinreißen: „He makes a right bollix of these songs“ und „why did he do that?“ Die Frage ist ja schon beantwortet, nur weiß man nicht, weswegen es nicht besser geworden ist. Denn trotz aller Reserviertheit gegenüber Popretorten, muss man eben sagen, dass Ronan Keating ein wirklich guter Sänger ist. Auch ist der Gedanke, die Lieblingslieder seiner verstorbenen Mutter aufzunehmen rührend und lobenswert.
Doch nur Dank Popularität des Sängers in den Popriegen dieser Welt und Verständnis für den Hintergrund sollte sich dieses Album nicht durchsetzen können. Dass dem aber nicht so ist, zeigt die Tatsache, dass die Platte im Vereinigten Königreich schon den Platz an der Sonne erreicht hat. Es gibt leider kein Rückgaberecht für geöffnete CDs, aber mit Hilfe von ein oder zwei relativ guten Liedern wie Vincent kann den Müttern Deutschlands ein wirklich kleines Geschenk gemacht werden. Und einige wussten das wohl schon vorher und so finden sich im Booklet neben kurzen Beschreibungen zur Songwahl 17 Seiten mit jeweils 25 Grüßen und Danksagungen pro Seite an die Mütter dieser Welt, bzw. in der deutschen Version an die Mütter Deutschlands. Aber die haben eigentlich bessere Alben verdient.
Pünktlich zum Album gibt es außerdem eine eCard, in der man pünktlich zum Muttertag mit Ronan Grüße an seine Mütter versenden kann, um diese mit seinen Songs grüßen. Diese findet sich unter dem folgenden Link (öffnet sich im neuen Fenster):
artists.universal-music.de/_artists/ronankeating/_muttertag/
Homepage: www.ronankeating.com
MySpace: www.myspace.com/ronankeating

Text: Katrin Gruhl