Weihnachten ist ja bekanntlich die Zeit der Vergebung und innerhalb einen Jahres sammelt sich eine ganze Menge an, das einer Entschuldigung bedarf. Man lässt das Jahr Revue passieren und wenn man zwei Alben von Ronan Keating hat, dann ist man erst einmal sprachlos. Da hat der gute Mann schon zum Muttertag ein Album voller Cover herausgebracht, die nicht weiter betrachtet werden müssen und nun gibt es mit Winter Songs ein weiteres Album. Die Frage ist, wieso lernt der Ire nicht, dass Musik nicht schmerzt, sondern in ihrer Ausführung Menschen ansprechen und emotional berühren soll. Denn wo sich diesmal das ein oder andere viel versprechende Musikstück einfindet, gibt es zu viele Lieder bei denen man Winter-typisch reagiert: Decke übern Kopf ziehen und Verstecke spielen.

Um zum Weiterlesen zu animieren, hier erst einmal die Lichtblicke des Albums: Stay ist eine gut gelungene Ballade, die man gut beim Kakao trinken hören kann. Die Stimme von Keating ist ganz gut, wenn er sich nicht dazu zwingt, die Emotionen, die in Musik und Text vermittelt werden, noch extra über seine Vocals darzustellen. Titelgeber Winter Song, geschrieben Sara Bareilles, ist noch einer der besseren Songs. Auch ganz gut das halbe Up-tempo-Lied It’s Only Christmas, das einzige von Keating selber verfasste Lied. Wenn denn mal passend für Keating geschrieben wird, dann hört sich das ganze auch gleich besser an. Doch leider gibt es davon einfach nicht genug und einmal mehr vergreift sich der Sänger an Liedern, die schon sehr gute Originalversionen sind und von denen wir teils grandiose Coverversionen haben.

So will man bei River gleich zum nächsten Lied. Nicht nur wird hier wieder Joni Mitchell gecovert, sondern ein Lied, das schon durch das Cover von Vonda Shepard und Robert Downey Jr. einer breiten Masse zugängig gemacht wurde. Und um ehrlich zu sein: Man nimmt Downey Jr. die Emotionen eher ab als Keating. Da es sich ja um ein Weihnachtsalbum handelt, gibt es auch das ein oder andere traditionelle Weihnachtslied. Little Drummer Boy besteht den Test, doch die Version von Have Yourself A Merry Little Christmas ist auf einer Skala von 1 bis 10 kaum nennenswert. Junge, auch wenn du singen kannst und Weihnachten geruhsam ist, es soll nicht wehtun. Und wer dachte, es kann nicht schlimmer kommen: schlimmer geht immer. Keating schafft es, Silent Night derart in den Sand zusetzen, dass man ihm keine Originale mehr zu Verfügung stellen möchte. Einziger Lichtblick: das Arrangement ist ganz nett.

Und so kommt es, dass ein weiteres Coveralbum des Iren namens Ronan Keating auf den Markt kommt. Dass sich am Ende dann nochmal ein ganz gelungenes Werk der Popmusik findet (I won’t Last A Day Without You), ist fast nebensächlich. Auch wenn der Rahmen diesmal besser war, so fehlt dem Album doch das gewisse Extra, ganz zu schweigen von konstant guten Liedern. Einmal mehr weiß der Hörer, dass Keating singen kann, aber erneut bekommt das kaum jemand mit, weil die Liederwahl keinen guten Ton zulässt. Aber es ist Weihnachten und da sich schon das ein oder andere gute Lied finden lässt, verzeihen wir auch dieses Album. Im kommenden Jahr oder wann immer.

Weitere Artikel
Rezension: Ronan Keating – Songs For My Mother

Homepage: www.ronankeating.com
MySpace: www.myspace.com/ronankeating

Text: Katrin Gruhl