Mitunter verwundert es doch, was für erstklassige Bands man plötzlich entdeckt, obwohl diese schon seit Ewigkeiten existieren und dennoch hat man vorher nichts von ihnen gehört. Ein solcher Fall ist auch die Band Rough Silk um den Sänger Ferdy Doernberg, die mit A new beginning nicht nur ihr zwanzigjähriges Jubiläum feiert, sondern ebenfalls ihr zehntes Album rausbringt. Bislang schien der Band trotz ihrer musikalischen Klasse anscheinend der endgültige Durchbruch nicht gewährt. Ein nicht ganz nachvollziehbarer Zustand, an dem aber hoffentlich A new beginning endlich etwas ändert, musste man schließlich fünf Jahre seit dem letzten Album der Band warten.

Alleine was Ferdy Doernberg mit seinem Organ anstellt, ist beeindruckend: Er liefert sowohl Gekreische im Stile von Kreator, genau wie klaren Gesang, wobei dieser ebenfalls eine angenehm kratzige Note behält. Gerade bei Roll of the Dice kommt diese richtig in Fahrt: Das Lied selber ist eigentlich eine Ballade mit Klavierbegleitung, aber sowohl im Refrain als auch der Mittelteil wird es schön krachig. Und je nachdem, was gerade ansteht, wechselt die Art des Gesangs ohne Mühe.

Ohnehin gelingt der Band zwischen den meisten Liedern ein Balance-Akt zwischen Gebretter und harmonischen Elementen. Dies macht die Lieder zwar teilweise verschachtelt, weswegen auch etwa die Hälfte der Lieder über fünf Minuten lang ist. Auch mit Sierra Madre ist der Band ein richtiger Kracher gelungen: Beginnt das Lied fast pathetisch, steigert es sich langsam mit mediterranem Gitarrenspiel in Richtung Thrash Metal, allerdings stets mit melodischem Gespiele. Das darauf folgende Gitarrensolo beeindruckt ebenfalls durch seine Ausgefeiltheit.

Selten erlebt man im Metal-Bereich eine derartige Stilvielfalt, wie sie auf A new beginning zu finden ist. Und das nicht nur zwischen den einzelnen Liedern, sondern auch innerhalb der Lieder selbst. Dabei schaffen es Rough Silk immer, ihrer eigenen Spielart treu zu bleiben. Roll of the Dice und Sierra Madre sind da nur ein kleiner Ausschnitt des sehr gelungenen Albums, das zwar ebenfalls viel Ohrwurmcharakter enthält, aber auch nach mehrmaligem Hören noch beeindruckt.

Homepage: www.rough-silk.com
MySpace: www.myspace.com/roughsilkmusic

Text: Tristan Osterfeld