Rezensionen & Tonträger Marius, 28.09.2005
Russian Existence – A tribute to Project Pitchfork
Russland mag Project Pitchfork. Zumindest scheint der Auftritt dort Ende letzten Jahres bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben – anders ließe sich für dieses Tribute zumindest keine Erklärung finden. Aber Erklärung hin oder her: Schön, dass es diese Compilation gibt. 16 russische Formationen versuchen sich an Kompositionen von Project Pitchfork. Dass deren Schaffen sowieso vielseitig ist, muss nicht weiter erwähnt werden, durch diesen Sampler werden dem Schaffen dafür noch weitere Facetten gegeben. Mal mehr und vereinzelt mal weniger gelungen, mal näher am Original und mal weiter davon entfernt, wird hier ein buntes Bild davon gegeben, wie man die Stücke Pitchforks neu interpretieren könnte.
Einen großen Unterschied zu Pitchfork findet man bereits bei den Bands, wo eine Frau am Mikrofon steht. Ein Highlight in dieser Hinsicht ist die Requiem-Version der Gruppe Slide Show, die sich musikalisch zwar recht nah am Original befindet, gesanglich jedoch eine eingängige Stimme zwischen brüchig und selbstbewusst zeigt, die berührt. Auch Emplosia bieten bei Daimonion eine interessante Frauenstimme, die sich irgendwo zwischen flüsternd und hypnotisch bewegt. Bei Jupiter hingegen verändert sich durch die Frauenstimme nicht viel – wer das Stück vorher mochte, mag es jetzt auch – wem es vorher nicht gefiel, wird es vermutlich auch in der neuen Interpretation nicht merklich besser gefallen.
Neben den Frauenstimmen, die neue Aspekte aufzuzeigen wissen, gibt es auch Stücke, in denen die den Pitchfork-Versionen zugrunde liegende Grundstimmung verstärkt wird. So schaffen es zum Beispiel Wavefall in ihrer Variante von Rescue, dem Sound und den Vocals noch etwas mehr Endzeitcharakter zu geben. Auch Para Bellum schaffen es, bei Hunted die Stimmung etwas zu verändern, jedoch auf gänzlich andere Weise: Sie bieten eines der wenigen Stücke des Samplers, die den Mut zu verzerrten Gitarren zeigen. So gelingt es ihnen, aus dem im Original sehr elektronischen Hunted eine vorzeigetaugliche Gothic Rock-Nummer zu zaubern. Dies schaffen auch M.C.D.ead (die glücklicherweise anders klingen, als ein Künstler mit M.C. am Anfang zu vermuten veranlassen könnte), die bei Timekiller zusätzlich noch stark die Intonation der Vocals modifizieren.
Wirft man neben den Frauen und den Gitarren auch mal einen Blick auf die anderen Neu-Interpretationen auf der CD, so fällt auf, dass so einige Stücke schon fast einen ambienten Charakter haben und andere ausgesprochen experimentell ausfallen. Stillife bereichern zum Beispiel Karma Monster mit einem ausgesprochen ambienten Touch und bieten dazu noch einen schönen Kontrast durch den Wechsel von männlicher Stimme in den Strophen und weiblicher Stimme im Chorus. Dazu fallen bei Karma Monster noch die Streicher gegen Ende auf, die das Stück zu einem weiteren Highlight des Samplers machen.
Auf der experimentellen Seite fällt vor allem Pan ins Auge: Teatr Yada verwandeln das Stück in eine elektronisch-experimentelle Klangcollage, die nur bei den Drums und dem Text noch merklich am Original festhält.
Als interessantestes Experiment dürfte allerdings Endzeit von Inquisitorum bezeichnet werden: So machte die Band sich die Mühe, den deutschen Text beizubehalten und intoniert diesen auf teils sehr interessante Weise.
Um ein Fazit zu ziehen: Die Compilation bietet größtenteils hörenswerte Coverversionen, die so klingen, wie deutsche Formationen sie vermutlich nie nie hätten klingen lassen können – ein nicht direkt in Worte zu fassender russischer Touch klingt überall durch (nicht nur im Gesang). Bis auf wenige Ausnahmen, bei denen der Funke nicht so recht überzuspringen weiß – wie zum Beispiel bei den sehr experimentelleren Varianten – ist die Investition in diesen Sampler durchaus lohnenswert. Schön, dass man sich entschieden hat, den Sampler auch in Deutschland einer breiteren Öffentlichkeit als nur den Kaskade-Tourbesuchern zugänglich zu machen.
Bezugsmöglichkeit:
Indietective: http://www.indietective.de/produkt.html?code=41435
Label-Homepage: http://www.q-code.ru
Homepages der beteiligten Künstler:
Altera Forma: http://www.alteraforma.ru
Antisisters: http://www.antisisters.ru
Aridoland: http://www.ayckenrot.narod.ru
Boxhead: http://www.under-round.narod.ru
Emily A. Saaen: http://www.emilysaaen.ru
Emplosia: http://www.emplosia.com
Inquisitorum: http://www.kvarki.ru/inquisitorum
Para Bellum: http://www.parabellum.spb.ru
Purple Fog Side: http://www.purplefog.darkside.ru
Slide Show: http://www.slide-show.ru
Stillife: http://www.stillife.ru
Teatr Yada: http://www.678.org
The Pulsar: http://www.the-pulsar.com
Wavefall: http://www.wavefall-music.com
(M.C.D.ead und Recently Deceased besitzen keine Homepage)

Text: Marius Meyer
11 Oct 2005, 10:26 am 1.Jan…
Hier hast du dochrecht gut wiedergegben was man von der Tribute halten kann oder auch nicht. Nur vermisse ich deine Einschätzung zu Altera Forma – Antidote, deren Version zu Pitchforks Klassiker ich am gelungensten finde und diese Version derer von Pitchfork um nichts nachsteht.(pers. Meinung)
habe die Tribute mir in Mainz besorgt und bin daher auch recht begeistert. Einige Freunde und Verwande wollen sie jetzt auch haben nur das sie weder bei Inditective noch bei Infarot zur Zeit zu finden sind. Laut Inditective ist auch noch nichts bekannt ????
Naja hoffen wir mal das Beste….. LG Jan
Kommentar von Marius: Die Rezension ist auf das in meinen Augen Herausstechende reduziert, da es zu lang und auch monoton wäre, jedes Stück einzeln zu behandeln. Antidote ist in meinen Augen eine solide Coverversion, hat aber eben für mich nicht weiter herausgestochen.
Indietective hat die CD inzwischen übrigens gelistet!