Rezensionen & Tonträger Marius, 28.11.2006
Sagittarius – Fragmente II
Ursprünglich war diese kleine – etwa 15 Minuten umfassende – Zusammenstellung von Sagittarius als Veröffentlichung anlässlich der dritten Ausgabe des Wolftanzes am 25.11.2006 in Gießen angedacht. Da diese Veranstaltung leider aus an dieser Stelle nicht weiter zu erläuternden Gründen abgesagt werden musste, entschloss man sich im Hause Sagittarius, diese auf bloß 50 Exemplare limitierte Scheibe dennoch unter die Hörerschaft zu bringen. Eine gute Enscheidung, denn mit Fragmente II hat man sich in jeder Hinsicht sehr viel Mühe gegeben. Nicht nur die sehr klassische, vor allem von Klavier und Flöte getragene Musik zeigt viel Liebe zum Detail, auch das handnummerierte Artwork zeigt, dass Herzblut in dieser Veröffentlichung steckt.
Insgesamt finden sich auf Fragmente II sechs Stücke, von denen die ersten vier von Flöte und Klavier gespielte Instrumentalstücke sind. Sie muten allesamt sehr klassisch an und schaffen es gut, die Sinne und Gefühle beim Hörer anzusprechen. Andächtige, ruhige Musik, eingängige Klavierharmonien und eine sehr melodiös gespielte Flöte, was eine relative Seltenheit in diesen musikalischen Gefilden darstellt und mit Recht als eine der großen Stärken von Sagittarius angesehen werden darf. Faszinierend bei der Musik ist, welche große emotionale Spannbreite trotz der spärlichen Instrumentierung erreicht wird – ein angenehmer Beweis dafür, dass weniger manchmal mehr ist. So trifft man auf Melancholie und Trauer gleichermaßen wie auf optimistische Tendenzen und Besinnlichkeit. Beim Schlusstitel Nihil Arisen treten an Stelle der Flöte weiblich-hymnischer Gesang und eine gezupfte Gitarre hinzu, die ebenfalls die gewünscht Wirkung unterstreichen.
Etwas abweichend vom Rest der Veröffentlichung ist der fünfte Titel: Eine Coverversion des Little Black Angel von Death in June. Sagittarius interpretieren den Titel mit der obligatorischen Akustikgitarre, einem Kontrabass und – was dem Stück eine bisher ungekannte Facette abgewinnt – zweistimmigen Gesang, bei dem zur Stimme Cornelius Waldners die Stimme von Sagittarius-Sängerin Dea hinzutritt. Somit gelingt es ihnen, dem Stück neue Aspekte abzugewinnen und geben dem Cover eine absolute Berechtigung, da es einen würdigen Tribut an das Original darstellt!
Neben Death in June tauchen noch zwei weitere große Namen auf der CD auf: Auf Fragmente II findet sich außerdem ein an die befreundeten Musiker von H.E.R.R. gewidmetes Menuet aus den „sechs musicalischen Partien“ des Nürnberger Komponisten Johann Krieger, der im 17. Jahrhundert gelebt hat, während das Artwork von Stefan Georges Gedicht Aus purpurgluten sprach des himmels zorn (der Sammlung Der Stern des Bundes aus dem Jahre 1914 entnommen) geziert wird, wodurch zwei weiteren Größen verdient Tribut gezollt wird.
Eine runde, kleine Veröffentlichung, bei der die 4,- Euro sehr gut angelegt sind. Man darf gespannt auf das für Anfang 2007 geplante Album Songs from the Ivory Tower sein, das im Hause Cold Spring erscheinen wird.
Wer Interesse am Erwerb von Fragmente II hat, kann sich per Mail direkt an Cornelius Waldner unter waldner@sagittarius.de wenden.
Homepage: www.sagittarius.de
Sagittarius bei MySpace: http://www.myspace.com/marblecliff

Text: Marius Meyer