Nachdem … Is A Real Boy eine Geschichte über das Erwachsenwerden in einem Wirbelsturm aus Sex, Drogen und Beklemmung erzählte, möchte Say Anything-Mastermind Max Bemis mit In Defense of the Genre nun von der ultimativen Lovestory erzählen. Wahnsinn, Hochstimmung, Depression und Erlösung sind seinen Ausführungen folgend dabei nur ein kleiner Teil des Ganzen. Ein Spektrum von Euphorie bis zum Gift und Galle Spucken ist es, das er abdecken möchte in seiner Geschichte. Dass diese Geschichte eine lange Geschichte ist, zeigt schon allein die Tatsache, dass es gleich 27 Songs sind, die als Doppel-CD erscheinen und somit ein ziemlich opulentes Rock-Album bescheren.

Nicht nur die Länge stellt einen Superlativ dar, auch die Liste der Gastmusiker ist sehr groß ausgefallen. So sind Chris Carrabba von Dashboard Confessional und Gerard Way von My Chemical Romance nur zwei der an die 20 Gäste, die ihre Künste zu In Defense of the Genre beigesteuert haben. Sie alle zusammen haben ein Werk entstehen lassen, das sich in beste amerikanische Alternative Rock-Tradition stellt und dabei sehr vielseitig und facettenreich daherkommt. Am dominantesten dabei sind die aggressiven und dabei doch gefühlvollen Rockstücke mit wuchtigen Gitarren und druckvollem Gesang, wie es beispielsweise The World You Wield und Surgically Removing The Tracking Device darstellen.

Aber unter den 27 Stücken sind auch andere Klänge im musikalischen Kontext zu entdecken. Baby Girl, I’m A Blur beispielsweise begegnet überraschend mit einem elektronischen Beat, ohne dabei den Rocktouch und deutlich hörbare Gitarrenharmonien vermissen zu lassen. Vexed hingegen ist ein sehr balladeskes Stück, was die gefühlvolle Seite deutlich in den Vordergrund stellt, die natürlich bei einer als „ultimativen Lovestory“ nicht fehlen darf. Gänzlich aus dem Rahmen hingegen fällt That Is Why, das von seiner Fröhlichkeit her und musikalisch leider arg in die Nähe des Jahrmarktes rückt.

Insgesamt ist Say Anything mit In Defense of the Genre ein durchaus gutes und gelungenes Album amerikanischen Alternative Rocks gelungen. Man muss allerdings dazu erwähnen, dass der Superlativ-Ansatz an einigen Stellen etwas zu sehr in die Breite geraten ist, so dass man hier und dort den Eindruck hat, dass das Ziel ein wenig aus den Augen verloren geht. Wenn man hier und da diese Abstriche macht, bleibt aber immer noch eine große Sammlung qualitativ hochwertiger und den Hörer mitreißender Stücke, die das Album im Gesamten durchaus empfehlenswert für all diejenigen machen, die gerne besagte Musik hören.

Homepage: www.sayanythingmusic.com
MySpace: www.myspace.com/sayanything

Text: Marius Meyer