Es gibt Bands, die machen Musik. Und es gibt Bands, die können mit ihrer Musik Geschichten erzählen. Schandmaul gehören definitiv zur zweiten Kategorie. Seit nunmehr zehn Jahren bereichern sie die deutsche Musikwelt mit ihrer einzigartigen Musik, die irgendwo zwischen mittelalterlichen Klängen, Folk und Rock steht und deren Texte den Hörer immer wieder in fantastische Welten entführen. Das Konzert zum zehnjährigen Bandjubiläum, das im November stattfand, liegt seit dem 24. 04. in digitaler Form vor. Sinnfonie beweist, dass Schandmaul auch nach zehn Jahren noch immer das am besten können, was ihre Fans fasziniert: eben Geschichten zu erzählen; immer wieder neu und immer wieder anders.

Im nahezu undurchdringlichen Wald der unterschiedlichen Aufmachungen, in denen Sinnfonie zu haben ist, kann man leicht die Übersicht verlieren: Doppel-CD, Doppel-DVD, Limited Edition und Fan Edition gewährleisten, dass das Jubiläumswerk für jeden Geldbeutel erschwinglich ist – und selbst die Doppel-CD, wahrscheinlich die spartanischste Version, ist noch immer ansehnlich ausgestattet: Zwei CDs mit insgesamt 26 Songs und ein Booklet voller Konzertfotos.
Der Schandmaul-Fan trifft auf diesen zwei CDs viele alte Bekannte wieder: Das Teufelsweib, die Herren der Winde, das Geisterschiff und viele Andere tummeln sich neben Neuzugängen vom letzten Studioalbum, unter Anderem geben sich der Titelsong Anderswelt und die Königin die Ehre. Ein bunter Reigen aus neuen und alten Songs – das, was man von einer Jubiläumsveröffentlichung erwartet.
Es ist aber nicht nur dieser Reigen aus altbekannten Songs, die selbstbewusst neben den „Neuen“ stehen, die die Sinnfonie zu einem unvergleichlichen Livealbum machen. Schandmaul ließen es sich nicht nehmen, zum Jubiläumskonzert hochkarätige Gäste einzuladen. So treten unter Anderem Muttis Stolz und Benni Cellini von der Letzten Instanz sowie Frau Schmitt von Subway to Sally auf. Die Ergänzung des ohnehin schon großartigen Ensembles, das die Musiker von Schandmaul darstellen, mit diesen hochkaratigen Musikern und darüber hinaus einem Backgroundchor, macht diese Aufnahme zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Sinnfonie ist in vielerlei Hinsicht keine gewöhnliche Live-CD. Die Geschichten, die Schandmaul erzählen, sind ihren Fans zwar schon bekannt, oftmals seit Jahren. Die Arrangements allerdings sind wieder neuartig, teilweise erkennt man die Lieder erst, wenn der Text einsetzt. Das macht einen Teil der Begeisterungsfähigkeit aus, die von Schandmaul ausgeht: selbst alte Songs, die seit Jahren zum Repertoire zählen, unterliegen einer ständigen Veränderung. Besonders auffällig ist das bei Teufelsweib. Der Song war im Original schon auf der 200er Veröffentlichung Wahre Helden zu finden, zum Jubiläum hat das Intro eine komplette Umwandlung erfahren. Der Klassiker klingt neuartig, fremd, obwohl der Text derselbe geblieben ist.

Sinnfonie fängt viel von der guten Stimmung ein, die auf dem Jubiläumskonzert geherrscht hat. Die Aufnahme lässt spüren, dass die Mitglieder von Schandmaul mehr verbindet als die Leidenschaft an Musik: hier stehen Freunde zusammen auf der Bühne, wie schon das Cover von Wie Pech und Schwefel (2004) zeigte. Das harmonische Zusammenspiel, die Wandelbarkeit selbst ältester Songs, die Schandmaul seit dem Debüt begleiten, machen Sinnfonie zu einem unvergleichlichen Dokument. Einem Dokument nämlich, das auf eine besondere Art und Weise das zehnjährige Schaffen einer Band festhält, die 2009 sogar für den Echo nominiert war, sich aber nie ins Rampenlicht gedrängt hat. Einer Band, die noch immer das tut, was in erster Linie ihr Spaß macht: bodenständige, authentische Musik und das Geschichtenerzählen. Und nicht zuletzt zeigt Sinnfonie, dass es immer noch am meisten Spaß macht, wenn man diesen Geschichten live zuhört.

Weitere Artikel
Interview mit Schandmaul (April 2008)
Rezension: Schandmaul – Anderswelt
Konzertbericht: Schandmaul – 24.08.2007, Leipzig Parkbühne

Homepage: www.schandmaul.de
MySpace: www.myspace.com/schandmaulmusic

Text: Lisa Kleinberger