Rezensionen & Tonträger Marius, 29.03.2009
Silbermond – Nichts passiert
„Alles Gute liegt vor Dir“, möchten Silbermond einen gleich auf den ersten Tönen ihres Albums überzeugen. Ob sie damit ihr eigenes Album meinen, ist sicherlich Ansichtssache, denn soviel steht fest: Silbermond sind eine polarisierende Band. Wer bei einschlägigen Web 2.0-Plattformen den Namen der Band eingibt, wird das schnell merken und sich in dem bestätigt fühlen, was er/sie eh schon wusste. Ursachen dafür lassen sich auch gut benennen. Schließlich besingen Silbermond vor allem eines: Das Leben an sich. Und da haben wir alle so unsere Sollbruchstellen. Ehe man sich ertappt fühlt, heißt es dann schnell mal: Plakativ und oberflächlich.
Stellt sich die Frage: Ist es das? Die Frage lässt sich dann aber auch wieder in verschiedene Richtungen beantworten. Wenn Sängerin Steffi im Opener Alles Gute Zeilen wie „Alles wird anders sein // und deine Wunden heilen auch // gib dir ein bisschen Zeit // sie legt Zuversicht darauf“ zum Besten gibt, hat man genau diese Tatsache bereits im Blick. Lyrik-Wettbewerbe wird man damit nicht gewinnen und Tiefgang ist wohl auch etwas anderes. Dafür schaffen Silbermond ein Identifikationsmoment. Das können sie dafür auch richtig gut, denn das Album sprudelt geradezu über vor solchen Momenten. „Ich bin heut morgen aufgewacht // und wusste nicht wofür“ heißt es beispielsweise im Stück Die Liebe lässt mich nicht und zeigt auch hier wieder eigentlich nur den banalen Alltag, verweist aber gleichermaßen auf das, was jeder schon einmal gefühlt hat.
Die Musik dazu ist schlichtweg deutschsprachige Rockmusik, die gekonnt gespielt wird. Vielleicht ist es nicht gerade der Gipfel des Einfallsreichtums, dennoch haben Silbermond so etwas wie einen eigenen Stil, den man erkennt. Zwischen – und das muss man zugeben – recht kantenloser Rockmusik und dem vertonten Gefühl pendeln sich Silbermond auch auf Nichts passiert ein. Das bereits mehrfach zitierte Alles Gute beispielsweise ist zunächst mal ein gelungener Rock-Song mit treibendem Schlagzeug, Gitarrenriffs und dem nötigen Drive vom Bass, dazu Steffis Stimme, die sich nun mal wirklich hören lassen kann. Garniert wird das Album immer wieder mit emotionsschwangeren Balladen wie Irgendwas bleibt, das wohl jedem schon mal begegnet ist, der gerade mal das Radio in der Hand hatte. Ansonsten eben Poprock, der nicht weh tut.
Dazu gibt es noch zwei Gastauftritte: Jan Delay äußert sich gemeinsam mit Steffi in Nicht mein Problem zur weitverbreiteten Scheißegal-Mentalität („Das ist mir viel zu unbequem // und überhaupt nicht mein Problem“) und zeigt dabei, dass man auch in plakativ anmutenden Texten gesellschaftskritisch agieren kann, während Xavier Naidoo in Sehn wir uns wieder das besingt, was man von ihm kennt: Herzschmerz. Mit diesen Gastauftritten zeigen Silbermond natürlich noch einmal deutlich, dass sie durchaus einen großen Markt anpeilen. Würde man aber behaupten, dass das alles nur Kalkül sei, wäre das überspitzt, denn man hört der CD immer wieder an, dass das Quartett im Grunde die Musik spielt, die ihm Spaß macht.
Am Ende kann man nur wieder das konstatieren, was bereits am Anfang stand: Silbermond polarisieren. Und daran wird sich durch Nichts passiert auch nichts ändern. Im Endeffekt begegnet eine Stunde guter, handgemachter Musik, die gut ins Ohr geht, bei vielen aber eben auch schnell wieder auf der anderen Seite daraus verschwindet. Plakativ ist das natürlich schon, aber dadurch nicht gleich oberflächlich. Und Bands, die verschwurbelte Texte schreiben, gibt es schließlich auch genug andere – Silbermond bieten hier einen Gegenpol und schreiben explizit das, was den Menschen bewegt. Im Endeffekt also ein gutes Album, das aber Geschmackssache ist. Aber ist das nicht jede CD? Eben.
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Text: Marius Meyer