Snow Patrol - Eyes Open Wie sieht wohl die perfekte Platte aus? Oder eher: Wie hört sie sich an? Wer das wissen will, sollte sich, solange noch nicht im CD-Regal stehend, Eyes Open von Snow Patrol zulegen. Denn was die Iren da an den Tag legen ist Britpop at its best und sehr wahrscheinlich die Platte des Jahres. Acht Sekunden hat man Zeit zu überlegen, wie die Lieder wohl sein mögen. Der Weg danach geht nur nach vorne und erlaubt keinen Schritt zurück. Rhythmisch und melodisch ist die Stimme von Gary Lightbody verpackt. Der Opener All I have legt die Messlatte der nachfolgenden Songs schon erstaunlich hoch und manch einer mag Bedenken haben, ob die kommenden 40 Minuten ebenso mitreißend sind.
Schon Hands open lässt diese Bedenken verschwinden und man ahnt es schon: hier kommt großes auf einen zu. Es wird gerockt und das in typischer Snow Patrol Manier. Großartige Melodie, textlich auch ganz vorne und dieses typische Singen des Herrn Lightbody.
Nachfolgend eines der besten Lieder, die jemals geschrieben wurden: Chasing cars. Kann man eigentlich objektiv über dieses Lied schreiben? Da wird Innerstes offenbart und die Angst vor der Liebe und der Welt thematisiert. Kann man die Welt vergessen und die Momente des Verliebtseins für immer erleben? Irgendwie hat man das Gefühl, es geht. Denn beim Hören möchte man sich einfach mit daneben legen.
Shut your eyes, ein Lied zum mitwippen und mitsingen. Britpoptypisch mit Chor und, obwohl kein versuchtes episches Werk, mitreißend. Weniger ist manchmal mehr und jeder Hörer wird zum Chorsänger, wenn es am Ende heißt: „Shut your eyes and sing to me“.
Langsam erschleicht einen das Gefühl, der rote Faden des Albums ist eine Beziehung. It’s beginning to get me. Eigentlich nichts neues, aber dennoch wie noch nie gehört. Und dann, begleitet von einem Xylophon, singt er You could be happy, obwohl der Hörer schon längst glücklich ist. Mit dem Extra Xylophon sind die Streicher und die klassische Ausstattung von Gitarre, Piano, Bass und Drums um ein weiteres Instrument reicher.
Rein und klar, regelrecht faszinierend haben sich die fünf Iren bisher in die Ohren gespielt und es ist klar: Make this go on forever. Noch einmal wird ein Chor zur Hilfe gebeten und fast sehnsüchtig erwartet man dieses große Arrangement, wie es von den britischen Embrace perfektioniert wurde. Doch das kommt nicht und das ist alles andere als ein Manko. Der Hörer wird mitgetragen und es soll weitergehen und nie aufhören. Mit zerbrechlicher Stimme kämpft Mr. Lightbody dann noch gegen die Emotionen, die einen nicht klar denken und an der Welt verzweifeln lassen: „And I don’t know where to look, my words just break and melt, please just save me from this darkness.“
Die privaten Umstände der Band sollte man außen vor lassen, denn beim folgenden Set the fire to the third bar gibt sich Martha Wainwright die Ehre und großartiger Text verschmelzt mit toller Musik und wird hier zu einem äußerst charmanten Duett.
Es kann nicht mehr schöner werden, das ist klar. Doch die Jungs geben nicht auf und wollen die Beziehung retten. Bei Headlights on dark roads wird noch mal gerockt und zum unzähligsten Male passen Text und Musik perfekt zu einander.
Endspurt mit Open your Eyes und The finish line. Es ist nicht zu glauben, aber gleich ist es vorbei. Doch bevor es so weit ist, werden noch mal alle Register gezogen und der Platz im Britpop-Himmel gesichert. Mehr als beachtlich wird sich noch mal durch erstklassige Melodien gesungen und es kann einfach ein Ende geben. Es darf kein Ende geben! Und deswegen heißt es ganz recht: „I think the finish line’s a good place to start.“
Hier ist nichts pathetisch, nichts übertrieben und nichts zum wegschmeißen. Die Herren aus dem beschaulichen Irland haben einfach ein faszinierendes Album geschaffen, welches für Jahre die Richtlinie des Britpop sein wird. Gratulation!

Homepage: www.snowpatrol.com

Snow Patrol - Eyes Open

Text: Katrin Gruhl