Rezensionen & Tonträger Katrin, 17.05.2008
Snow Patrol – Final Straw
Snow Patrol, ja klar, kennt doch jeder. Chasing Cars – das sind die doch, oder nicht? Manchmal ist es ganz schön frustrierend, auf ein Lied reduziert zu werden. Dabei gab es schon vor dem Geniestreich und millionenfach verkauften Album Eyes Open (2006) großartiges von der irisch-schottischen Combo. Das hat sich wohl auch die Plattenfirma gedacht und jetzt wird das 2004er Album noch einmal veröffentlicht. Und das in der Hoffnung, dass es diesmal noch ein bisschen mehr von der Ehre bekommt, die es verdient. Also, sehr geehrte Damen und Herren, spitzen Sie die Ohren, Final Straw liegt im CD-Player. Und wenn es mal drin ist, dann am besten gleich die Endlosschleife einstellen, denn so schnell kommt man nicht davon los.
Das wohl bekannteste Lied auf Final Straw ist Run, ein Stück, das streckenweise stark an Coldplay in deren Hochphase erinnert. Aber dabei die typische Snow Patrol-Technik fast in Perfektion darstellt: leise beginnender Start mit Gitarre, was sich aber als Ohrwurm-taugliche Musik präsentiert und dazu die Stimme von Gary Lightbody, die immer in den Lieder zu schwimmen scheint. Und was singt der Lightbody? Einen herzzerreißenden Text, der jeden Hörer berührt. Und selbst wer kein Englisch versteht, weiß ganz genau, worum es geht. Selten sind Text und Melodie so harmonisch zusammenpassend und ergänzend, als bei Snow Patrol.
Der Opener How to be dead ist ein recht locker wirkender kleiner Pop-Rock Song, aber neben großartigem Text mit einer Melodie, die mit jedem Hören eindringlicher zu werden scheint und einen nicht mehr los lässt. Da kommen Saiteninstrumente und Piano mit Glockenspiel zusammen und auf einmal wirkt das gesamt Arrangement so unschuldig und klar, dass man wünscht, das Lied wäre über einen selbst geschrieben. Lieblingsliedcharakter. Aber ist es das? Nein, denn hat man einmal Chocolate gehört, weiß man, was Lieblingslied heißt. Nicht nur gibt eine Textzeile darin den Albumtitel; diese 3.03 Minuten gehören zu den schönsten, die es in der Britpop-Rock Richtung zu hören gibt. Ohrwurm hin oder her, selten wurde die verworrene Gefühlswelt der Liebe und die zahlreichen Fehler, die man dabei anstellen kann, so hingebungsvoll dargeboten.
Doch ruhig und fast hypnotisierend wie bei oben genannten Chocolate oder Grazed knees (ebenfalls Lieblingslied-Charakter) geht es nicht immer zu. Bei Stücken wie bei den sehr gelungenen Tiny little fractures, Gleaming auction oder einem grandiosen Wow kommt die rockigere Phase nicht erst zum großen Finale des Liedes, sondern macht von Anfang an dessen Charakter aus. Nichts scheint dem Zufall überlassen und große Melodien spielen noch immer die Hauptrolle. Und wenn da gesungen wird: If it looks like it works and it feels like it works then it works – tja, dann funktioniert es eben.
Und die zwölf Lieder, die auf Final Straw zu hören sind, funktionieren nur zu gut. Es gibt zwar keine so starke rote Linie wie auf Eyes Open und auch mal das ein oder andere nur durchschnittliche Lied, aber dass ist auch ganz gut. Zu perfekt geht nicht, aber dafür gibt es hier großartige, vielseitige Lieder mit erstklassigem Gesang und hervorragenden Texten. So soll, ja muss Musik sein. Ob sich die Plattenfirma der Musikerziehung verschrieben hat? Schön wär‘s. Aber Final Straw wurde schon 2004 über zwei Millionen Mal verkauft. Und mit der Neuveröffentlichung werden es wohl noch ein paar mehr. Das ist aber auch gut, denn lieber gute Musik kaufen als schlechte. Und obwohl Final Straw schon vier Jahre alt ist, gibt es noch Leute ohne diese Platte. Das muss sich ändern. Jetzt gibt’s die Chance dazu.
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Konzertbericht: Snow Patrol – 09.02.2007, Berlin Columbiahalle
Rezension: Snow Patrol – Eyes Open
Homepage: www.snowpatrol.com
MySpace: www.myspace.com/snowpatrol

Text: Katrin Gruhl