Rezensionen & Tonträger Marius, 25.01.2008
Solar Fake - Broken Grid
Seit Jahren war es seine Vision, einmal ein komplett elektronisches Projekt zu machen. Jetzt macht Sven Friedrich ernst: Mit Broken Grid erscheint nun das erste Album seines Solo-Projektes Solar Fake, mit dem er diese Vision verwirklicht. Als sich 2006 nach Abschluss der Arbeiten für das letzte Zeraphine-Album eine zeitliche Lücke fand, begann er, nach und nach die Stücke für sein neues Projekt zu entwickeln, die er anschließend im Jahr 2007 vollendet hat, um sie nun auf Albumlänge unter die Hörerschaft zu bringen. Dabei hat er sich selbst nicht viele Grenzen gesetzt: Zwar wird strikt der elektronische Rahmen beibehalten, ansonsten ist die Vielfalt der Stile aber sehr breit gefächert.
Eröffnet wird erstmal mit einem entspannten, ruhig treibenden, dabei aber doch packenden elektronischen Stück, bei dem einen direkt bei den ersten Worten die unverkennbare Stimme Sven Friedrichs einnimmt. Hiding Memories From The Sun, ein Stück darüber, dass man gelegentlich auch gerne mal Dinge verstecken würde und es auch gerne mal dunkel hat. Was darauf folgt, ist eine Reise durch verschiedenste elektronische Stile. In einem Stück wie The Shield lässt es sich Sven Friedrich nicht nehmen, auch mal mit Future Pop zu liebäugeln, Stücke der Sorte Stigmata Rain hingegen arbeiten mit EBM-Versatzstücken und schrecken auch vor einer verzerrten Stimme nicht zurück.
Was Friedrich bereits mit seinen anderen Projekten immer mal wieder bewies, zeigt er auch auf Broken Grid: Gerne wird auch mal ein Stück gecovert. Dieses Mal fiel die Wahl auf Creep von Radiohead. Was vorher ein schönes Stück BritPop war, wird hier zu einem treibenden Stück elektronischer Musik, das eben nicht nur eine Coverversion ist, sondern auch eine Interpretation. Und zwar eine gelungene. Aber es würde dem Album nicht gerecht, es auf eine Coverversion (bzw. Interpretation) zu beschränken. Nein, es ist wirklich interessant zu sehen, wie sich ein Musiker, den man jahrelang nur aus dem Rockbereich kannte, hier auf gekonnte Weise mit verschiedensten elektronischen Stilen auseinandersetzt. SynthPop, EBM, Future-Pop und andere Einflüsse sind hörbar und werden zu einem sinnvollen Ganzen vereint.
Was anfangs eine ungewohnte Vorstellung sein mag (Sven Friedrich rein elektronisch), entpuppt sich beim Hören von Broken Grid schnell als eine wirklich gute Idee, bei der man hinterher erleichtert sein darf, wenn man weiß, dass Sven Friedrich bereits im Vorfeld der Veröffentlichung gesagt hat, dass dies nicht das einzige Album mit dem neuen Projekt sein soll. Denn bei diesem gelungenen Debüt wäre es wirklich schade, wenn da nichts folgt. Dazu steckt zuviel Potenzial drin. Wer Sven Friedrich sonst aus gitarrendominierter Musik kennt, könnte auch hier seine Freude dran finden, wer zu Sven Friedrichs Schaffen hingegen wegen zu vieler Gitarren vorher keinen Draht hatte, kann hier ebenfalls getrost einmal einen Probedurchgang riskieren. Ein vielseitiges und gelungenes Album!
Weitere Artikel
Interview mit Sven Friedrich (Januar 2008)
Konzertbericht zum Planet Myer Day 6.0 (mit Solar Fake)
Konzertbericht zum Dreadful Shadows-Konzert am 13.10.2007 in Leipzig
Homepage: www.solarfake.de
MySpace: www.myspace.com/solarfake

Text: Marius Meyer