Sophia - Technology won’t save us People are like seasons – they change, so teilte uns Robin Proper-Sheppard auf seinem letzten Werk mit. Dass dem so ist, beweist er selber beispielhaft auf seinem neuen Werk Technology won’t save us. Zwar nicht drastisch im Sinne einer 180°-Wendung, sondern dezent und für den Hörer nachvollziehbar. Nach wie vor ist es klanglich so, dass es kein Zufall zu sein scheint, die Veröffentlichung eines Sophia-Albums auf den Herbst zu legen: Schwermütige Klänge nehmen eine dominante Rolle auf dem Album ein. Traurigkeit und Gefühle stehen im Mittelpunkt und machen das Werk zu einem insgesamt erneut traurig anmutenden Werk. Dennoch lässt sich nicht verleugnen, dass Robin Proper-Sheppard wieder etwas mehr Affinität zu härteren Klängen entwickelt hat.
Bereits im nach dem Albumtitel benannten instrumentalen Eröffnungsstück zeigt es sich: Auf die ruhigen Klänge von Gitarre und Violine setzt sich nach einigen Minuten auf einmal eine emotional geladen wirkende bedrohliche Klangschicht aus verzerrten Gitarren und verstörenden Sequenzen. Auch der folgende Titel Pace scheint als Losung gegenüber dem Vorgänger „mehr Rock“ zu haben: Getrieben durch das Schlagzeug, kombiniert mit schnellen Gitarrenriffs wird ein beinah optimistisch anmutendes Stück Indie-Rock geboten. Ähnliche Überraschungen bieten auch Lost (She Believed in Angels…), das zwar herbstlich anmutet, aber dabei im Gegensatz zu anderen Sophia-Titeln auch nahezu fröhlich wirkt und der Schlusstitel Theme for the May Queen no. 3, der eine nicht gekannte Vehemenz des Einsatzes verzerrter Gitarren im Werk Sophias offenbart.
Die melancholischere, insgesamt dominantere Seite des Albums zeigt Sophia in bekannter Manier: Vertonte Schwermut, Suche nach verlorenen Liebschaften (Where are you now?), das Gefühl an sich. Robin Proper-Sheppard ist dabei seiner Vorgehensweise treu geblieben, nur über das zu schreiben, was ihn persönlich betrifft. So zum Beispiel eine Lebenskrise, wie in Big city riot, musikalisch durch traurig gespielte Gitarren, dezente Perkussion und ein Oboen-Motiv spärlich instrumentiert und eben dadurch sehr intensiv wirkend Zeilen wie I can’t afford to live in this city // […] no one ever smiles and the weather’s shitty darlegt. Viele getragene Klänge sind es, die uns Album präsentiert. Getragen, aber nie langweilig. Auffällig ist bei den ruhigen Stücken, dass man den Orchestereinsatz gegenüber dem Vorgänger verstärkt hat, was der Schönheit sehr dienlich ist.

Sollte der Eindruck entstanden sein, dass dieses Album aus zwei Polen im Sinne von „Rock“ und „Ruhe“ besteht, so lässt sich dieser guten Gewissens entkräften. Sophia sind nach wie vor Sophia und es ist durchaus Geschlossenheit auf dem Album vorzufinden – um die Homogenität zu entdecken, sollte man das Album als Gesamtwerk annehmen und die im Kopf (und auch in diesem Text) vorhandene Trennung nicht als Hörvoraussetzung annehmen, sondern das Album in seiner Gesamtheit wirken lassen. Dann – und nur dann – fällt auf, dass Robin Proper-Sheppard ein sehr gelungenes, rundes Album aufgenommen hat, dessen lautere Momente sich gut in das Gesamtbild einfügen und dabei deutlich weniger aus der Reihe fallend wirken als zum Beispiel der Titel If a change is gonna come auf dem Vorgängeralbum.

Zusätzlich sei erwähnt, dass es sich lohnt, schnell zu sein, solange es noch die limitierte Auflage des Albums gibt. Diese beinhaltet zusätzlich eine zweite CD mit dem Titel Knocks and Rocks…, auf der sich sechs akustische Versionen von Sophia-Stücken verschiedener Alben finden, wo vor allem Oh my love sehr durch seine verstärkte Dramatik herausragt.

Homepage: www.sophiamusic.net

Sophia - Technology won’t save us

Text: Marius Meyer