Rezensionen & Tonträger Marius, 06.11.2005
Spillsbury – 2
Wie bereits im Konzertbericht erwähnt: Die Skepsis war groß, was dieses Album betraf. Die viel gehörte Ankündigung, ruhiger geworden zu sein, war für eine Band, die den Begriff Elektro-Punk neu oder gar überhaupt erst definierte, eine seltsame Angelegenheit. Anschließend ausgerechnet die Ballade Sag Mir als Appetizer zum freien Download zu stellen, war auch am ehesten als gewagt zu bezeichnen. Doch dann kam es – das ersehnte neue Album mit dem programmatischen Titel 2. Die Prädikatierung „ruhiger“ ist eine sehr unzutreffend gewählte, man sollte eher davon reden, dass das neue Album „anders“ ist als der Vorgänger.
Der Opener beweist es bereits: Spillsbury sind nach wie vor in Höchstform. Eins Zwei Drei ist gleich ein Stück in bester Spillsbury-Tradition. Es ist wild, es rockt, es beinhaltet verzerrte Gitarren und verspielte Synthies, es macht Spaß, es ist Spillsbury. Was danach folgt, ist gleich ein sehr unerwarteter Zusammenschluss. Das Stück Nein ist ebenfalls ein typisches Spillsbury-Stück, bis plötzlich jemand anfängt zu rappen. Man hat sich für eine Strophe Verstärkung aus dem geographisch nahe liegenden Hause Eimsbush geholt – Denyo von den Beginnern darf eine Strophe beisteuern, der sich unerwartet gut ins Gesamtbild einfügt. Musikalisch ist hier ansonsten noch alles beim alten geblieben. Die Neuerungen, was die Musik betrifft, zeigen sich im weiteren Verlauf. Mit den beiden Titeln Sag Mir und Zwei Von Vielen sind zwei Balladen dabei. Allerdings klingt dies im Endergebnis gar nicht so ungewöhnlich, wie es die reine Vorstellung beim Zusammentreffen der Wörter „Spillsbury“ und „Ballade“ implizieren könnte. Hört man die Stücke jeweils bloß einzeln, so wirken sie tatsächlich seltsam. Hört man sie aber im Gesamtwerk zwischen den anderen Stücken des Albums, ergeben sie durchaus Sinn und begeistern auch dadurch, dass sie zu erkennen geben, dass Sängerin Zoe nicht nur eine starke, sondern auch eine gefühlvolle Stimme besitzt. Auch bei Common Sense – einem Stück, bei dem Spillsbury sich mal in den mittleren Tempobereich trauen – wird dies gut deutlich. Vor allem dann, wenn man sich die Zeile „Der Sommer war nicht schön, doch er ist vorbei“ in Kombination mit ebendieser Stimme hört.
Und der Rest des Albums? Typisch Spillsbury mit Tendenz zur Weiterentwicklung. Vor allem in den bisher nicht erwähnten Stücken wird deutlich, warum die Bezeichnung „anders“ die zutreffendste ist. Vielleicht ist die Musik streckenweise nicht mehr ganz so wild wie zuvor, dafür hat sie ganz einfach Groove, um es einmal platt auszudrücken. Verzerrte Gitarren, Synthies und all das, weshalb der Fan die Band liebte, sind nach wie vor durchweg vertreten.
Die anfängliche Skepsis weicht im Endeffekt der Begeisterung. Spillsbury sind wieder da. Anders als erwartet – besser als erwartet. Die punkige Attitüde bleibt, wer modernen Elektro-Punk sucht, ist hier immer noch an der richtigen Adresse. Highlight!
Homepage: www.spillsbury.de

Text: Marius Meyer