Es wirkt ja immer sehr direkt und unhöflich, einer Frau zu attestieren, sie sei in die Breite gegangen. Und dennoch sei dies im Falle von Annie Clark – unter dem Namen St. Vincent musikalisch agierend – nun einfach mal getan. Eh jetzt die Proteststürme losreißen, sei das gleich mal richtig gestellt: Die Rede ist hier nicht von optischen Aspekten, sondern nur von musikalischen. Sowohl in der Breite der Stilistik als auch in der Opulenz manch eines Arrangements kann man hier ein willkommenes Aufblühen fest machen, das ein erfreuliches Weiterbegehen des bereits auf dem Debüt Marry Me eingeschlagenen Weges zeigt.

Als Formel könnte man in etwa von breitwandigem Indie-Pop mit Filmmusik-Anstrich und einer Spur von Opulenz reden. Damit bringt man in etwa auf den Punkt, was St. Vincent hier mit Einfallsreichtum und Können zum Besten gibt. Die stilistische Breite zeigt sich dabei in experimentierfreudigeren Momenten, die Breite in den Arrangements zeigt sich in der bereits mehrfach erwähnten Opulenz. Diese ist natürlich nicht immer anzutreffen, denn im Sinne der Vielfalt wird auch manchmal schmaler arrangiert – an der Zielstrebigkeit ändert das allerdings wenig. Der Wille dahinter ist auch klar erkenntlich: Annie Clark hat mit Gitarre, Bass und Keyboard gleich drei der Instrumente selbst eingespielt. Vom Gesang ja ganz zu schweigen.

Die Folge aus Black Rainbow und Laughing With A Mouth Of Blood zeigt das sehr gut. Black Rainbow geht stark in cineastische Richtung. Mit streicher-angelehnten Keyboard-Klängen baut sich eine dramatisch anmutende Klangkulisse auf, die perkussiv unterstützt wird und vom süßlichen Gesang einen Kontrapunkt erhält. In der Folge steigt die Dramatik immer weiter an, das Stück wird lauter, die Streicher gehen irgendwann beinah in psychotische Richtung, auf einmal ist Schluss. Szene vorbei – wenn man im Cineastischen spricht. Das darauffolgende Laughing With A Mouth Of Blood hingegen: Geradliniger Indie-Pop, schlank im Arrangement, darin ein Hauch von Leichtigkeit. Und ganz wichtig: Schönheit! Auch hier wieder untermalt mit Streichern, dazu klare Gitarren.

Nach diesen Ausführungen soll Actor aber gar nicht so als kontrastreiches Album verstanden werden, denn Actor ist ein wirklich gelungener Zweitling mit einer klaren Linie. Sie heißt Annie Clark. Eine Künstlerin mit Profil eben, die auch in der Breite gut wirkt. Da passt alles zusammen, da stimmen die Proportionen. Rein musikalisch betrachtet, natürlich!

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Rezension: St. Vincent – Marry Me

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Text: Marius Meyer