Rezensionen & Tonträger Marius, 24.06.2007
Staring Girl – Staring Girl
„Was für Geräusche macht ein gebrochenes Herz?“ fragen Staring Girl in ihrem Titel Viertel vor Nichts und zeigen damit gleich ein maßgebliches Thema auf ihrer selbstbetitelten zweiten CD, die unverständlicherweise bisher labellos und im Eigenvertrieb erscheint. Was für Geräusche ein gebrochenes Herz unter Umständen machen kann, präsentieren Staring Girl auf ihrer Veröffentlichung auf musikalische Weise und zeigen die kreativen Folgen eines gebrochenen Herzes. Natürlich mag man niemandem den Zustand des gebrochenen Herzens an den Hals wünschen, wenn das Resultat dieses Zustandes jedoch so klingt, kann dieser Zustand durchaus seine positiven Seiten haben. Staring Girl präsentieren diesen in einem Gewand von ruhigerem deutschsprachigem Indie-Pop.
Man mag zwar behaupten, dass gebrochene Herzen und die Zweisamkeit ausgelatschte Themen sind, sollte dabei aber genau so wenig verleugnen, dass sie ein Themenquell unendlicher Inspiration darstellen, bei dem es eben nicht auf die eigentliche Thematik ankommt, sondern auf das Wie. Staring Girl bewegen sich dabei fernab von plattitüder Herzschmerzmusik, singen mit Gefühl und reflektieren dieses vor allem auch im Wesentlichen: Der Musik. Ruhigere Indie-Musik, die zu etwa gleichen Anteilen mal treibender und mal getragener ist. Dabei stets eingängig angenehm. Neben dem Indie-Charakter klingen auch immer mal leichte Einflüsse aus Folk und Country an, die sich beispielsweise in der Verwendung des Banjos manifestieren.
Es wäre ungerecht, hier mit Termini im Stile von „Hamburger Schule“ zu hantieren. Klar, wer Musik in dieser Richtung macht, wird sich automatisch damit konfrontiert sehen müssen, aber objektiv betrachtet sind die einzigen Gemeinsamkeiten hier, dass Staring Girl in irgendeiner Weise Indie-Musik machen und dabei auf Deutsch singen. Im Rest zeigen sie sich dabei sehr innovativ und eigen und sorgen auch gerne mal für Überraschungen. An einem traurigen Sonntagmorgen am Küchentisch zeigt eine solche: Im balladesken Tempobereich fängt es an, im Chorus hingegen kommt es einem überraschenden Tempowechsel und das Stück bekommt einen nachdenklich-treibenden Charakter, ohne dass man sich unangenehm überrascht fühlt von dem Stück.
Wie schon eingangs erwähnt: Es ist verwunderlich, dass sich hier noch kein Label gefunden hat. Das nötige Können und die Wirkung in ihrer Musik hätten Staring Girl auf jeden Fall, um auch einer größeren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden zu können. Bis dahin können Freunde dieser Musik auf den Bandseiten probe hören und sich mitwundern. Freunde deutschsprachiger Indie-Musik wie beispielsweise solcher aus dem Hause Grand Hotel van Cleef haben an Staring Girl sicher ihre Freude.
Homepage: www.staring-girl.de
MySpace: www.myspace.com/staringgirlmusik

Text: Marius Meyer