Rezensionen & Tonträger Marius, 14.04.2006
Subaudition - The Scope
Finnland ist ein einsames Land. Geringe Bevölkerungdichte, viele Wälder und Seen, viel Natur, dazu ein überwiegend kaltes Klima. Nicht von ungefähr kommt es daher, dass die Dichte an düsteren Metalbands in skandinavischen Gefilden unvergleichlich groß im Gegensatz zu anderen Regionen ist. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, dieser Tatsache musikalisch Ausdruck zu verleihen oder sie zu kompensieren: Das musikalische Gegenteil. Soll heißen: Ruhige, emotionale Töne, die innere und äußere Stimmungen vertonen, ohne dabei übertrieben pathetisch zu wirken.
„Stell dir einen Frühlingsmorgen vor. Der Nebel umfängt Dich, während Du auf das Ufer des Sees zusteuerst, auf dessen Oberfläche nur noch eine dünne Eisschicht liegt. Du weißt, dass diese jederzeit verschwinden und das Wasser sich in Folge unbegrenzt bewegen kann. Du atmest die frische Luft ein und begreifst, dass sich dieser Moment bereits angekündigt hat – ein Moment der Befreiung…“ – Zugegebenermaßen neigen derlei Beschreibungen dazu, platt und abgegriffen zu wirken, aber wenn Bandmitglied Antti Korpinen diese Worte wählt, um seine Musik zu beschreiben, dann wirkt das in Kombination mit dem eigentlichen Tonträger erstaunlich schlüssig. Nicht umsonst haben Antti Korpinen und Roope Niemelä den Namen Subaudition für sich gewählt: Es soll hier nicht um Oberflächlichkeiten gehen, sondern um das durch den Bandnamen betonte „Sub-Auditive“. Somit zeigt sich, dass es durchaus eines der Ziele der beiden Musiker ist, derlei Bilder zu evozieren.
Stellt sich nun die Frage, wie genau dieses Ziel bei Subaudition erreicht wird… Zu diesem Zweck hat man sich drei Gastmusiker ins Studio geholt, mit denen gemeinsam eine breite Palette an Instrumenten bedient wird. So hat man neben Gesang, Gitarren, Bass, Piano auch seltener gehörte Instrumente wie die Hammond-Orgel, Tenor- und Sopran-Saxophon und eine Flöte an Bord geholt. Mit dieser Besetzung wird ein Klangbild erzeugt, das (wie einleitend schon einmal erwähnt) ruhig und emotional wirkt, dabei aber alles andere als starr erklingt. Die vielen Schichten der Musik fließen nahtlos in einander über und ergeben trotz der absoluten Ruhe der Musik ein alles andere als langweiliges, nahezu dynamisches Klangbild – an dieser Stelle könnte man wieder den in der Selbstbeschreibung genannten See anführen, auf dem sich trotz aller Stille immer wieder Wellenbewegungen finden. Gezupfte Gitarren-Harmonien, ruhig stützende Bassläufe, Melodien vom Piano und die oft schwebende Hammond-Orgel erzeugen eine harmonische Ruhe mit melancholischem Einschlag – melancholisch auf positive Art. Neun Stücke lang kann man sich auf The Scope davon überzeugen.
Faszinierend ist auch, dass es sich hierbei um ein Debüt-Album handelt. Gerade für ein Debüt-Album ist es ein beachtliches Werk und stellt eine der absoluten Perlen des bisherigen Jahres dar, wodurch sich die Band selbst bereits eine hohe Messlatte auferlegt hat. Bleibt abzuwarten, wie es mit der finnischen Gruppe weitergeht, auf jeden Fall sollte man sich den Namen Subaudition dringend merken!
Homepage: www.subaudition.cjb.net

Text: Marius Meyer