Rezensionen & Tonträger Marius, 15.08.2006
Superikone – Energie
„Der Traum der 80er im Sound der 90er trifft auf Fragen des 21 Jahrhunderts!“ – so heißt es großspurig in der Ankündigung zu dieser CD. Auf seinem zweiten Longplayer Energie versucht der Kölner Musiker und Produzent Malte Schmidt-Kohl alias Superikone einen Streifzug durch die menschliche Seele. Mit einem sehr futurepoppig anmutenden Sound und deutschen Texten hat er dabei ein Album eingespielt, das zwar musikalisch durchaus eine Menge Können zeigt und Potenzial bietet, aber an vielen Stellen bei vielen Hörern gemischte Gefühle hervorrufen könnte.
Musikalisch gesehen ist das Album relativ gut als eine sehr tanzbare von SynthiePop mit eindeutiger Tendenz in Richtung FuturePop einzusortieren. Wer ein passionierter Hörer dieser Art von Musik ist und De/Vision als zu langweilig geworden bezeichnet, hat an Energie sicherlich eine Menge Spaß. Die Musik ist sehr eingängig und findet schnell den Weg ins Tanzbein. Zwar klingen einige Passagen hier und da etwas zu verspielt, aber insgesamt eröffnet sich dem Hörer ein relativ homogenes Klangbild von FuturePop mit kleineren Einflüssen aus Dark Wave und Neue Deutsche Welle. Nicht weitergehend innovativ, aber handwerklich gut umgesetzt.
In seinen Texten behandelt das Projekt – wie eingangs bereits erwähnt – die menschliche Seele, aber auch weltliche Themen wie die Politik, was Titel wie „Machtmenschen“ zeigen, dessen Titel wohl genug über den Inhalt des Stückes aussagt. An den Themen an sich gibt es nicht viel auszusetzen, allerdings wirkt die Umsetzung mitunter fragwürdig und zeigt, dass die Verwendung der deutschen Sprache schnell in Regionen enden kann, bei denen man in Frage stellen mag, ob die englische Sprache an jener Stelle nicht doch besser gewesen wäre – so ist es nicht wirklich neu zu hören, dass „Herz“ und „Schmerz“ einen funktionierenden Paarreim abgeben. Neben diesen Wörtern finden sich auch eine Menge weiterer Schlüsselwörter der als Zielgruppe (ob nun intendiert oder nicht) angepeilten düstereren Hörerschaft: Dunkelheit, Seele und das Böse sind sehr präsente Begleiter auf Energie („Eiskalte Seelen, ein erfrorenes Herz // glühende Tränen und ein brennender Schmerz“ aus dem Titel Eiskalt ist ein sehr illustratives Beispiel hierfür).
Insgesamt ist Energie ein eher zwiespältiges Album. Musikalisches Können und die Tatsache, dass die Musik wirklich tanzbar ist, sind dem Album absolut nicht abzusprechen, womit gleichermaßen auch die Clubtauglichkeit gewährleistet ist. Tiefgang und Innovation allerdings sind auf dem Album allerdings leider an nicht sovielen Stellen zu finden. Freunde tanzbaren, seichteren Elektros, werden ihre Freude haben, der Rest darf gespannt sein, wie es mit Superikone weitergehen wird.
Homepage: www.superikone.de

Text: Marius Meyer