Rezensionen & Tonträger Marius, 15.10.2006
Tenhi – Airut:Aamujen
Eine zuverlässig regelmäßig veröffentlichende Gruppe, die dabei eine Art Sonderstellung einnimmt, ist Tenhi. Diese Sonderstellung ist schnell definiert: Zwar immer wieder in den Großbereich Neofolk gesteckt, dabei aber musikalisch für diese Einordnung viel zu vielschichtig, stets in ihrer finnischen Muttersprache singend und dabei nebenbei auch viele Hörer ansonsten eher anderer Musik begeisternd. Warum sie diese Stellung einnehmen, zigen sie auch auf dem Album Airut:Aamujen wieder, bei dem es sich um eine Wiederveröffentlichung des im Dezember 2004 unter dem Projektnamen Harmaa mit selbem Albumtitel veröffentlichten Albums.
Stellt sich zunächst die Frage: Warum eigentlich der Re-Release? Nachdem Tenhi das Harmaa-Album einst auf ihrem eigenen, relativ kleinen Label namens Utustudio veröffentlichten, unterschrieb auch Harmaa bei Prophecy. Zur Vereinigung der sich durch die Tenhi-Werke ziehenden Sage wird es nun unter diesem Namen noch einmal veröffentlicht. Die CD ist inhaltlich gesehen die Fortsetzung der 2001 erschienenen Mini-CD Airut:Ciwi und soll dann voraussichtlich 2007 mit dem dritten – bereits komponierten – Teil Airut:Savoie beendet werden.
Bevor wir aber in die Zukunft schweifen, an dieser Stelle lieber erst einmal ein Blick auf die vorliegende Veröffentlichung. Tenhi zeigen sich hier in ihrer gewohnt erd- bzw. naturverbundenen Grundstimmung, wirken aber phasenweise musikalisch vielschichtig, wie man es selten zuvor bei ihnen hörte. So begegnen einem nicht wenige klassisch anmutende Passagen auf der einen Seite, die auf der anderen Seite wiederum durch beinah poppig wirkende Klänge ihren in sich geschlossenen und doch als solchen wirkenden Kontrast in einer Art akustischem Folkpop bekommen.
Ein Stück wie Seitsensarvi zeigt zunächst Tenhi wie gewohnt: Ruhig, akustisch, erdverbunden, durch Schönheit bestechend. Eine ruhige Grundstimmung, die intensiv auf den Hörer zu übergreifen versucht, was zumeist auch gelingt. Diese Grundstimmung findet sich auch bei Lävitseni Kaikkeen, was allerdings auch gleichermaßen ein Belegstück wäre für das, was mit „klassisch anmutend“ gemeint sein soll: Der Titel verbreitet zwar auch durch akustisch-ruhige dargebotene Naturstimmungen seine Wirkung, aber gerade das Piano ist hier auf eine Weise gespielt, das auch einem Klassik bzw. Neoklassik-Hörer Freude bereiten dürfte.
Kontrastiv wirkt dann ein Stück wie Luopumisen Laulu, das zwar auch vom Piano getragen wird, aber bereits direkt am Anfang die ungewohnt poppige Seite zeigt. Treibend geht es los, beinah optimistisch und von einem auch als solchen gespielten (und nicht wie sonst so oft eher als Perkussion verwendeten) Schlagzeug getragen. Zwar wirken die Strophen im Gegensatz dann etwas ruhiger, dennoch wird der poppig-optimistische Charakter hier deutlich und ist spätestens dann wieder nicht zu verleugnen, wenn es wieder zum Chorus kommt.
Man könnte noch weitere Beispiele nennen für die Vielseitigkeit, aber die bisher genannten Beispiele geben bereits ein gutes Bild für das Facettenreichtum dieser Veröffentlichung, der es intensiv gelingt, Schönheit darzustellen. Die durchweg finnischen Texte lassen dabei auch ein weiteres Markenzeichen Tenhis nicht in den Hintergrund rücken. Ein mit Sicherheit berechtigter Re-Release!
Homepage: www.tenhi.com
Weitere Artikel:
Interview im Juli 2006
Rezension zum Album Maaäet

Text: Marius Meyer