Im vergangenen Jahr hieß es für Tenhi, ihr zehnjähriges Jubiläum zu feiern. Mit einem Jahr Verzögerung gibt es nun die Jubiläumsbox, bei der sich zeigt, dass die Verzögerung ihre Berechtigung hat: So erscheint die Veröffentlichung als aufwendige Drei-CD-Box im gebundenen Buchformat mit einem 76seitigen Booklet, bei dem ebenfalls sehr viel Liebe zum Detail gezeigt wurde. Neben den Texten und dazugehörigen Übersetzungen gibt es darin auch Bilder und Zeichnungen von Bandmitglied Tyko Saarikko zu bewundern. Die drei CDs vereinen indes allerhand Raritäten, unveröffentlichtes Material und weitere seltene Bonustitel.

Zwar sind die drei CDs durchaus thematisch unterteilt, dennoch wirken sie auch auf ihren insgesamt drei Stunden Spielzeit in sich sehr geschlossen und homogen. Sie weisen einen guten Querschnitt durch das Schaffen, Repertoire und Können der finnischen Gruppe auf und beleuchten so sowohl synchron die verschiedenen Facetten als auch diachron die Entwicklung Tenhis. Die ersten Titel der Zusammenstellung beispielsweise sind von der 1997er-Demo Kertomuksia. Nimmt man den Titel Havuisissa Saleissa, so entdeckt man neben der Naturverbundenheit, die sich gleich am Anfang durch das Vogelzwitschern zeigt, auch die Verwurzelung der Musiker im Metal, die sich eindeutig im Gesangsstil manifestiert. Zwar noch unausgereifter als die Veröffentlichungen in den kommenden Jahren zeigt sich bereits hier der Trend zum naturverbundenen Folk, den sie in den kommenden Jahren immer weiter perfektioniert und sich damit ihre ganz eigene Nische erspielt haben.

Bereits kurze Zeit später – auf CD1 durch die Stücke der Single Hallavadet (1998) vertreten – zeigen sich Tenhi in ihrem gekonnten und gekannten atmosphärischen Klangbild, das sie bis heute geprägt haben und immer noch prägen. Eine mystische Atmosphäre, die ihre Stärke vor allem in der zugrunde liegenden Ruhe findet, zieht sich durch das Werk und findet sich immer und immer wieder. Auch hierfür ist die Grundlage eigentlich schon früher geschaffen, wie beispielsweise das Stück Etäisyyksien taa zeigt, das im Jahre 1997 auf dem Tape war, mit dem sich die Gruppe erfolgreich beim Label Prophecy Productions bekannt machte. Instrumental gesehen sind Streicher (z.B. beiKuoppa), das Piano (dominant beispielsweise bei Kielo) und auch die gezupften oder geschlagenen Gitarren wie in Hallavadet, von denen die Atmosphäre mitbestimmt wird.

Die dritte CD möchte von der Gruppe als für sich stehende Albumeinheit mit dem Namen Kaski verstanden werden. Laut Bandaussage sind es eher Zeichnungen als wirkliche Kompositionen. Hiermit zeigt sich auch auf der dritten Scheibe ein Aspekt, den es bei Tenhi in verschiedenen Hinsichten auch sonst immer wieder zu beobachten gibt: Die Stücke folgen nicht zwingend gewöhnliche Songstrukturen, sondern entfalten ihre Bilder und Wirkung nach ihren eigenen Gesetzen. Die Intensität steht hier mehr im Mittelpunkt als in ein starres Schema zu passen. Dies zeigt sich auch an den Songlängen, die sich gelegentlich auch gerne mal um die zehn Minuten bewegen.

Folk Aesthetic – der Name ist also Programm. Sowohl die gebotenen Klänge als auch die gesamte Aufmachung dieser Zusammenstellung sind von hohen ästhetischen Standards geprägt. Tenhi betonen immer wieder, dass die Musik und das Visuelle gemeinsam das Gesamtkonzept von Tenhi ausmachen. Dies zeigen sie rein optisch bereits in der Aufmachung der Kompilation und vor allem in dem bereits angesprochenen 76seitigen Booklet, das mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurde. Wenn man dann noch sieht, dass diese Zusammenstellung bloß für den Preis angeboten wird, den man sonst für ein einzelnes Album hinsieht, bleibt am Ende nichts anderes übrig, als diese Zusammenstellung allen Liebhabern derartiger Klänge ausdrücklich zu empfehlen!

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Rezension zum Album Airut:Aamujen
Rezension zum Album Maaäet

Homepage: www.tenhi.com
MySpace: www.myspace.com/tenhiband
Label: www.prophecy.cd

Text: Marius Meyer