An dieser Stelle sei ein persönlich gefärbter Einstieg gewählt: Im Februar 2004 sah ich diese Formation einmal im Vorprogramm von Favez und fragte mich dabei, was ich da eigentlich seltsames auf der Bühne sehen würde. Gemäß dem Motto „Man sieht sich im Leben immer zwei Mal“ widmete ich meine Aufmerksamkeit dennoch vier Jahre später dem aktuellen Werk Aimthusiasm und bin nun verwundert: Waren meine Ohren damals noch nicht reif für diese Formation oder hat sich da jemand stark verbessert? Diese Frage lässt sich im Nachhinein schwer beantworten, was sich aber konstatieren lässt: Der Eindruck anhand des neuen Albums der Gruppe ist wesentlich besser, ja – es ist ein guter Eindruck!

Was einst schon Bands wie Surrogat bewiesen: Man muss nicht aus Hamburg kommen, um ansprechenden deutschsprachigen Indie-Rock zu machen – das funktioniert auch in der Hauptstadt. The Aim Of Design Is To Define Space machen nämlich genau das. Geradewegs nach vorne gehen die gitarendominierten Stücke, die einen sehr eigenständigen Klang aufweisen, da sie sich zwar einerseits klar in diese musikalische Sparte einordnen lassen, aber dennoch irgendetwas Ungewohntes mit sich bringen. Eine Art Unnahbarkeit klingt in allen Titeln des Albums mit sich, die den Hörer packt und ihn sich von der Musik einnehmen lässt. Durch den neuen Gitarristen Greg – ein Fan der ersten Stunde – ist der Sound der Berliner dabei noch ein wenig verdichteter als zuvor.

Betrachtet man die Texte, so kommt man doch an einem Vergleich wieder nicht vorbei. Die Texte sind oft auf den ersten Blick sehr kryptisch und erinnern somit dann doch wieder an Hamburg, vor allem an die ersten zwei Blumfeld-Alben. Dies aber nur auf der Grundlage dessen, dass sie wie gesagt sehr verschlüsselt wirken – ansonsten sind sie absolut eigen. Bei Titeln wie Marlon Brando Impersonator: Ahlbeck/Seebrücke bleibt es auch bei The Aim Of Design Is To Define Space nicht aus, dass die Gruppe sehr polarisierend wirkt: Sind das nun hochgeistige Inhalte oder intellektuell wirken wollende, aber inhaltsleere Phrasen? Fragen, die man sich immer wieder stellen kann – auch gerade dann, wenn sich bei Einsam ist die Leserin eine Studentin in die Nervenklinik einweisen lässt, um endlich in Ruhe „Ulysses“ und „Asterix auf Korsika“ lesen zu können, während sie sich nebenbei noch in den Wärter verliebt.

Gruppen wie diese werden immer polarisieren und es sieht so aus, als sei dies auch im Sinne des Erfinders. Bei aller Polarisierung: Herausgekommen ist ein sehr ansprechendes Album, das den Hörer beschäftigt. Man muss sich der Musik behutsam annähren, dann findet sie auch zu einem. Deutschsprachiger Indie-Rock kann einen doch immer wieder überraschen, so auch im Falle von The Aim Of Design Is To Define Space. Sie sind aimthusiastisch an ihr Werk gegangen, dieser Aimthusiasmus kann auch gut auf den Hörer übergreifen. Zu bemängeln ist – wie irgendwie schon so oft bei Alben in diesem Jahr – die Spieldauer von bloß 35 Minuten. Auch hier gilt: Ein bis zwei weitere Stücke hätten der CD sicherlich nicht geschadet. Gelungen ist sie aber trotzdem und hat ihre Chance beim Hörer mehr als verdient.

Homepage: www.aimofdesign.de
MySpace: www.myspace.com/aimofdesign

Text: Marius Meyer