Rezensionen & Tonträger Marius, 30.07.2009
The Charcoal Sunset – The Charcoal Sunset
Liest man die Info zur Band The Charcoal Sunset, wird gleich mal rausgestellt, dass es „hier eben nicht um den nächsten heißen BritPopDanceElectroIndie-Scheiß geht“. Das ist ja schon einmal eine klare Ansage – und wohl auch nicht ganz unberechtigt: Da kommt eine junge Band aus Berlin mit einer aus vier Stücken bestehenden Debüt-EP um die Ecke – das kann ja schnell die Vermutung nahe legen, dass es sich hier um das angeblich nächste große Ding handeln soll, das dann aber dummerweise genauso klingt wie die ganzen anderen angeblich nächsten großen Dinger. Und nun kommt da eine Band auf uns zu, die in kurzer Zeit ein großer Geheimtipp wurde und sich ganz anderen Spielarten von Rock widmet.
Da werden einfach mal so Namen wie Bob Dylan, Bright Eyes, Bruce Springsteen, Ryan Adams und Wilco genannt, um den Rahmen für das eigene Schaffen anhand von Vorbildern abzustecken. Das mag zwar ein wenig anmaßend wirken, aber man wächst ja schließlich auch mit seinen Aufgaben. Und so widmen sich The Charcoal Sunset der ganz klassischen Spielart von Rockmusik und bemühen sich um weitmögliche Zeitlosigkeit. Mit Hammond-Orgel und Piano, auch mal Mundharmonika und dem üblichen Rock-Instrumentarium in Form von Gitarre, Bass, Schlagzeug widmen sie sich Rock-Klängen, die nicht versucht, sich in gängige Standards oder Klischees zu pressen, sondern ihr eigenes Ding macht. Mit Orientierung an den Vorbildern, fest verankert im Hier und Jetzt. Das kann mal schneller und druckvoller gehen, kann sich aber auch mal im verträumteren Bereich abspielen. Gelegentlich auch mal mit schleifender 60s-Orgel im Hintergrund, dann wieder klar.
Wenn man so will, ist es Musik, die stark auf ein album-orientiertes Rock-Publikum abzielt. Umso mehr ist es schade, dass auf dieser EP nur vier Stücke vorzufinden sind. Diese aber machen dafür bereits einen ziemlich ordentlichen Eindruck, der hoffen lässt, dass das Feedback zur Musik anderorten ähnlich positiv wie hier ausfällt und die Band sich bald dazu aufrafft, ein Album unter das Volk zu bringen. Hier braucht es keinen Hype, hier kann mit Qualität überzeugt werden. Und das will heutzutage gelernt sein!
Homepage: www.thecharcoalsunset.com
MySpace: www.myspace.com/thecharcoalsunset

Text: Marius Meyer