Rezensionen & Tonträger Tristan, 17.04.2007
The Green Man – The Teacher and the Man of Lie
Nach ihrem ersten auf nur 100 Stück limitierten Album From Irem to Summerisle steht von der italienischen Formation der zweite Vollzeittonträger in zehnfacher Auflage des Erstlings im Haus. Hat sich die Gruppe schon auf dem Debüt und der 10“ Irem mythologischen Themen angenähert, führt sie dieses Konzept fort: Diesmal dienten diverse biblische Themen als Vorlage für die Lieder. Angefangen beim Sündenfall, dem Verrat durch Judas, der Kreuzigung Christi schließlich zum das Album abschließenden Lied The final Journey, das wie eine Anklage an die heutige glaubens- und sinnentleerte Welt wirkt.
Wer die erste Scheibe der Gruppe oder die 10“ kennt, wird schon zu Beginn merken: Die Musik ist deutlich vielschichtiger und vielseitiger geworden. Und besonders: Sie hat an Tempo gewonnen, waren die alten Stücke doch eher ruhig, wird diesmal ein Spektrum von rhythmischen und schnellen Stücken hin zu eher andächtigen Stücken. Alle Stücke vereint ein durch die Trommeln sehr rituell anmutender Charakter. Außerdem wird im Gegensatz zu früher auch elektronische Musikerzeugung verwendet, die jedoch im Gegensatz zu vielen anderen Folkprojekten das Klangbild untermauert und nicht stört.
Sehr schön ist der für das Neofolkgenre zwar ungewöhnliche, für diese Gruppe hingegen aber typische orientalische Klang. Gerade die (synthetisch erzeugten) Klänge der Blasinstrumente vermitteln sofort ein nahöstliches Flair.
The Green Man haben mit diesem Album einen ordentlichen Schritt vorwärts gemacht: Das Album klingt ausgereifter und auch abwechslungsreicher als der Vorgänger. Dazu kommt die Tatsache, dass es diese noch relativ junge Gruppe schafft, im Neofolkgenre mit einem noch nicht ausgelatschten Klangbild in Erscheinung zu treten. Wir haben es hier mit einem frisch klingenden und sehr guten Album zu tun. Ernsthaft zu bemängeln habe ich nichts. Die Spielzeit ist okay, kein Lied wirkt deplaziert. Wer der „Verpoppung“ des Neofolkgenres nichts abgewinnen kann oder für orientalische Klänge nichts übrig hat, wird diesem zwar nichts abgewinnen können, ich selber hoffe aber, dass es nicht das letzte Album der Gruppe ist und kann nur sagen: Daumen hoch!
Homepage: www.thegreenman.it
MySpace: www.myspace.com/thegreenman

Text: Tristan Osterfeld