Für Fans von Supergrass dürfte die VÖ von Turn Ons von The Hot Rats ein geringeres Rätsel darstellen als für den Rest der Welt: Hinter dem von Frank Zappa entlehnten Bandnamen verbergen sich nämlich Gaz Coombes und Danny Goffey, also ganze zwei Drittel der Oxforder Indie-Rocker. Mit der Arbeit am nächsten Supergrass-Album anscheinend nicht ganz ausgelastet, taten sich die beiden im letzten Sommer mit Nigel Godrich zusammen, der als Produzent von Radiohead ja nicht ganz unbekannt ist. Die dabei entstandenen Coverversionen von David Bowie zu The Cure rockten die Festivalbühnen von Reading, Leeds und Glastonbury, und nun muss sich zeigen, ob dieser eklektische Mix auch im festivalfreien Winter zu Rock’n’Roll-Verzückung führt und Uneingeweihte von den Hot Rats überzeugt.

Gaz Coombes’ Stimme ist dabei ein entscheidender Faktor: Vor allem auf Love Is The Drug von Roxy Music und Big Sky von den Kinks zeigt der Mann, was er am besten kann, und man fühlt sich angenehm an seine Haupterwerbsquelle erinnert. Aber genau darin liegt auch das Problem des Albums. Es klingt mitunter angenehm nach Supergrass, nur eben ohne deren liebgewonnene Schrulligkeit und Innovation. Die Songs auf Turn Ons sind gut, und mitunter sogar großartig (Lovecats von The Cure ist ein klares Highlight). Doch die meisten Stücke sind eben auch so bekannt, dass sie kaum als Coversongs von The Hot Rats oder Supergrass in die Geschichte eingehen werden. (You Gotta) Fight For Your Right (To Party) wird immer ein Beastie Boys-Song bleiben, egal, wie charmant die Hot Rats ihn covern. Das gleiche gilt für E.M.I. von den Sex Pistols. Dass die Songs rocken, steht außer Frage, und dass das auf Festivals eine große Anhängerschaft findet, ebenso wenig. Aber als Album wirkt alles seltsam leblos und – was noch schlimmer ist – konzeptlos. Diese Cover sind einfach nicht innovativ genug, um sich vom Original abzuheben und um ihrer selbst willen Aufmerksamkeit zu erregen, und so mancher Fan von Supergrass wird sich nach anfänglicher Euphorie fragen, ob er nicht lieber noch eine Weile wartet, bis seine Helden brandneues Material veröffentlichen.

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Text: Karoline Fritzsch