Rezensionen & Tonträger Marius, 28.10.2007
The Libertines – Time For Heroes (The Best Of)
Über Sinn und Unsinn dieser Zusammenstellung wird sich sicherlich streiten lassen: Eine Best Of einer Gruppe, die sowieso bloß zwei Alben veröffentlichte. Wir erinnern uns: 2002 erschien mit Up The Bracket das hochgelobte Debüt-Album der Gruppe, zwei Jahre später ein namenloses Folgewerk. Was folgte, war der bis heute nicht abgerissene Zug Pete Dohertys durch die Boulevard-Presse, einige Konzerte ohne ihn und die schlussendliche Auflösung und im Jahre 2007 immer wieder lauter werdende Gerüchte um eine Re-Union. Mit Time For Heroes kommt nun aber erst einmal eine Best Of, die neben Titeln der zwei Alben auch nicht auf den Alben vorzufindendes Material enthält.
Ebenfalls ungewöhnlich für eine Best Of: Die Spielzeit von unter 40 Minuten. Aber: Die Libertines atmeten seit jeher den Spirit des Punks und das schlägt sich auch in den Songlängen nieder. Die Musik an sich ist dafür über jeden Zweifel erhaben. Britischer Gitarrenrock mit dem erwähnten Punk-Einschlag, der geradewegs nach vorne rockt und einen hohen Mitwipp-Faktor sein Eigen nennt. Das Tempo ist hoch, der Gesang positiv rau und spröde, aber doch eingängig und die Gruppe kommt auf den Punkt. Schnörkellos, dafür aber mit Ecken und Kanten. Der Grund für die große Beliebtheit der Gruppe spricht aus den 13 Stücken geradezu eindeutig heraus.
Bei der Auswahl der Stücke gab es verschiedene Gesichtspunkte: Natürlich wurden die Klassiker ausgewählt wie Can’t Stand Me Now und Time For Heroes. Aber auch die Fans hatten ein Mitspracherecht, weshalb beispielsweise Boys In The Band den Weg auf die Scheibe gefunden hat. Zusätzlich gibt es einige Live-Favoriten und B-Seiten der Gruppe (beispielsweise The Delaney) sowie bisher nicht auf den Alben der Band veröffentlichtes Material. Letzteres beinhaltet Stücke wie die Zwischensingle Don’t Look Back Into The Sun und die B-Seite Mayday.
Ob das nicht auf Alben veröffentlichte Material bereits Kaufgrund genug gibt für diejenigen, die beide Alben besitzen, ist fraglich. Wie auch ein Best Of bei nur zwei Alben – denn wer ein Album sein Eigen nennt, kann für das Geld genauso gut das fehlende Album erwerben und hat so mehr Stücke. Wer aber noch nichts dieser herausragenden Formation besitzt, ist mit dieser Zusammenstellung sehr gut bedient. Wie erwähnt: Musikalisch ist sie über jeden Zweifel erhaben und wer tatsächlich vorher aus irgendwelchen Gründen zumindest musikalisch noch nichts von dieser Gruppe mitbekommen hat (an Pete Doherty-Schlagzeilen vorbeizukommen, war sicherlich weitaus schwieriger), kann hier hören, was er in den vergangenen Jahren verpasst hat. Und das war ohrenscheinlich so einiges.
Homepage: www.the-libertines.org.uk
MySpace: www.myspace.com/thelibertines

Text: Marius Meyer