The M.E.M.O.R.Y. Lab – das ist ein italienisches EBM-Duo. Besser gesagt: Das war ein italienisches EBM-Duo. Die beiden gehen schon seit 1999 getrennte Wege. Das konnte Marc Urselli, mittlerweile 3-Fach mit Grammys geehrter Techniker, Produzent und Sounddesigner und die treibende Kraft hinter The M.E.M.O.R.Y. Lab, nicht davon abhalten, Material seiner alten Band modern zu mastern und nun herauszubringen. Da die beiden Italiener in den 90ern nur auf einigen Compilations mitwirkten und ein strikt limitiertes Kassetenset herausbrachten, halten wir hier gewissermaßen ein Debütalbum in den Händen. Modern Expressing Machines of Revolutionary Youth ist das Debüt einer Band, die es de facto seit zehn Jahren nicht mehr gibt.

So merkwürdig dieses Konzept klingt, so merkwürdig klingen auch die 8 Songs, mit denen Marc Urselli und sein Sänger Nicola Curri uns beehren.
Mit Cambia (Change) beginnt Modern Expressing Machines of Revolutionary Youth noch recht annehmbar. Eine fast unkenntlich verzerrte Stimme, durch diverse Programming-Experimente brechender Rhythmus und generell ein Gesang/Musik-Gemisch, das Tänzer zu Höchstleistungen fordern könnte – insgesamt keine schlechte Idee. Trotzdem ist schon dieser erste Song so sperrig, dass er dem Publikum, das Musik nebenbei hört und sich nicht immer komplett auf diese konzentrieren will, zu viel werden dürfte. Wie sich herausstellen soll, wird es so weitergehen. Die mehr schreiende denn sprechende oder gar singende Stimme von Nicola Curri, übrigens auch Sänger der Metalband Funeral Oration, trifft auf ausgefeilte Soundgebilde. Diese schrecken nicht davor zurück, sich solcher Instrumente zu bedienen, die im elektronischen Bereich oft vernachlässigt werden. A Bad Dream (The Wrong Dream) etwa profitiert stark vom nahezu exzessiv eingesetzten Schlagzeug. Divine Eating dagegen beginnt mit einem starken Beat und überraschend melodisch, die Experimentierfreude hält sich hier stark in Grenzen. Das Ergebnis ist ein Song, der großes Lob verdient. Bass und Schlagzeug stehen hier dominant im Vordergrund; der Song klingt eher nach einem älteren Rockstück mit elektronischen Einflüssen, als nach dem Stück einer EBM-Band. Another Nail Into The Cross schließlich zeigt noch einmal eine andere Seite von The M.E.M.O.R.Y. Lab. Er beginnt sehr ruhig und steigert sich dann zu einem Song, der komplett als Metal-Song durchgehen könnte. Dieses Gefühl kommt allerdings zu oft bei diesem Album hoch, das eigentlich das Album eines EBM- oder Electro-Duos sein sollte.

„Schlecht“ ist definitiv das falsche Wort, wenn es um die Beurteilung von Modern Expressing Machines of Revolutionary Youth geht. Ich scheue mich allerdings auch davor, diese CD uneingeschränkt als „gut“ zu beurteilen. Wer klassischen EBM à la Front 242 etc. erwartet, wird jedenfalls bitter enttäuscht. An zu vielen Stellen erliegt The M.E.M.O.R.Y. Lab komplett den musikalischen Wurzeln Nicola Curris und gleitet in relativ reinen Metal ab, wo man EBM erwartet. Die Songs, die elektronischer rüberkommen, sind dabei so experimentell angelegt, dass sie schnell überladen und zu sperrig wirken. Mich kann dieses Werk jedenfalls nicht überzeugen, was vor allem daran liegen dürfte, dass mir für ein als „EBM“ gelabeltes Projekt hier zu viel Metal in der Verpackung steckt.

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Text: Lisa Kleinberger